Raumfahrt : Obama streicht Bushs Mondprojekt

US-Präsident Obama hält die unter seinem Vorgänger Bush begonnenen Weltraumprojekte für zu teuer. Auf dem Mars sollen US-Astronauten dennoch landen - finanzieren sollen das unter anderem Touristen.

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Der amerikanische Präsident Barack Obama hat der Nasa eine Abkehr von George W. Bushs Weltraumpolitik verordnet. Das Projekt „Constellation“, das die bemannte Raumfahrt gut 40 Jahre nach der ersten Mondlandung zurück auf den Mond bringen sollte, um ihn als Zwischenstation für künftige Marsmissionen zu nutzen, wird gestrichen. In seiner ersten größeren Rede zur Raumfahrt sagte Obama auf dem Stützpunkt Cape Canaveral in Florida, wo die meisten US-Raumflüge starten, die Nasa könne sich nicht mehr allein auf Steuergelder verlassen, sondern müsse mit der Privatwirtschaft zusammenarbeiten, um ihre Projekte zu finanzieren, zum Beispiel durch Weltraumtourismus.


Er hielt eine rhetorisch ausgefeilte Wenderede, in der er sich zunächst in die Tradition der großen Zeiten der Nasa bei der Eroberung des Alls im Wettlauf mit der Sowjetunion stellte, um dann ein Umdenken zu fordern. „Niemand steht verlässlicher zur bemannten Raumfahrt und zur Erforschung des Weltalls durch den Menschen als ich“, sagte er. „Aber wir müssen einen klugen Weg finden.“ Man könne nicht einfach weitermachen wie seit Jahrzehnten. „In meinem Geburtsjahr 1961“, sagte Obama, habe Präsident John F. Kennedy den USA das Ziel gesetzt, einen Menschen innerhalb eines Jahrzehnts auf den Mond und sicher zurück zu bringen. Am 20. Juli 1969 landete Apollo 11 dort. „50 Jahre nach Gründung der Nasa setzen wir uns nicht einfach nur das Ziel, einen weiteren Ort zu erreichen. Unser Ziel ist die generelle Fähigkeit des Menschen, für längere Zeit außerhalb der Erde zu arbeiten und zu forschen.“

US-Medien betonen, anders als Bush nenne Obama konkrete Jahreszahlen. Bis 2025 sollen neue Missionen auf einem Asteroiden landen und in den 2030er Jahren den Mars erreichen. „Ich erwarte, dass ich das noch persönlich erlebe.“

Der aktuelle Zustand des Raumfahrtprogramms steht im Kontrast zu den ehrgeizigen Plänen. Der Space Shuttle geht in wenigen Monaten in Rente. Die USA haben bisher kein Nachfolgemodell, mit dem sie Menschen und Material zur internationalen Raumstation bringen. Sie müssen die Transportkapazität bei den Russen kaufen. Die unter Bush begonnenen Programme sprengen die Budgetvorgaben und liegen weit hinter dem Zeitplan. Obama verlangt von der Nasa die Kooperation mit privaten Firmen. Von denen solle sie Raketen mit hoher Nutzlast kaufen, statt sie selbst zu entwickeln. Das spare Zeit und Geld.

Die Wende zeichnete sich ab, seit das Weiße Haus im Februar den Haushaltsplan 2011 veröffentlichte. Mehrere Astronauten, darunter Neil Armstrong, der als erster den Mond betrat, warfen Obama vor, er „vernichte“ Amerikas Weltraumprogramm. Andere unterstützen die Wende, die Nasa sei eine verkrustete Behörde geworden. Sally Ride, die erste Frau im Weltraum, nennt Obamas Plan, „eine mutige Wende“. Er zwinge die Nasa zurück zu ihren Wurzeln, als Neugier, Innovation und Forschergeist ihre Mission beseelten.

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