Politik : Raus aus der Schublade

Namibias Botschafter hofft auf die Kinder

Ulrike Scheffer

Er spricht Deutsch ohne Akzent, und seine Freunde sagen, er habe etwas von einem echten Berliner. „Berliner Schnauze mit Herz, ja, damit kann ich mich identifizieren”, sagt er selbst. Warum auch nicht. Schließlich stammt ein Teil seiner Familie aus der deutschen Hauptstadt, und sein Name steht mindestens 30-mal im Berliner Telefonbuch. Da hat Hanno Rumpf gleich reingeschaut, als er vor acht Monaten nach Berlin kam – als Botschafter der Republik Namibia. Hanno Rumpfs Großeltern wanderten nach dem Ersten Weltkrieg in die frühere deutsche Kolonie aus, in der Familie wird noch immer deutsch gesprochen. Und dennoch: „Ich bin Afrikaner, ganz klar”, erklärt der 45-Jährige, ohne zu zögern. Deshalb hat er auch an der Seite der schwarzen Bevölkerungsmehrheit für die Unabhängigkeit seines Landes gekämpft, das lange vom weißen Apartheidsregime Südafrikas beherrscht wurde.

Schwarz-weiße Klischees, kulturelles Schubladendenken, davon hält Rumpf nichts. „Die Welt von morgen wird eine interkulturelle sein, darauf sollten wir unsere Kinder vorbereiten”, erklärt er. Als Botschafter versucht Rumpf, Partnerschaften zwischen namibischen und deutschen Schulen zu fördern. Die gemeinsame Geschichte, zu der auch so dunkle Kapitel wie der Mord an Zehntausenden Angehörigen des Hererovolkes durch deutsche Soldaten gehört, will er dabei keineswegs vergessen. „So grausam die Vergangenheit im Einzelnen auch war, bildet sie doch das Fundament unserer heutigen, engen Zusammenarbeit.“ Den 14. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit, den 21. März 2004, wollen die 300 Namibier in Berlin denn auch mit Deutschen in der Landesvertretung Bremens feiern – der Heimatstadt jenes Kaufmanns, der den Boden für die Kolonie Deutsch-Südwestafrika bereitete: Adolf Lüderitz.

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