Politik : Rausschmiss fürs Image

Hamburgs SPD-Chef entlässt Geschäftsführer

Armin Lehmann

Hamburg - Henning Voscherau hat sich in diesen Tagen wieder einmal zu Wort gemeldet und einen großen Artikel im „Hamburger Abendblatt“ verfasst. Voscherau, von 1988 bis 1997 Erster Bürgermeister, ist noch immer eine große Nummer in Hamburg. Deshalb zucken die Genossen stets ängstlich zusammen, wenn er sich äußert. Diesmal ging es nur um die Föderalismusreform, nicht um die Zukunftsfähigkeit der Hamburger SPD. Dabei sieht es gerade nicht nach einer rosigen Zukunft aus.

Vor einigen Monaten noch hatte der 65-Jährige seiner Partei diese Zukunftsfähigkeit indirekt abgesprochen, indem er Spaß daran fand, so zu tun, als wolle er 2008 noch einmal Bürgermeister werden. Prompt hatten Umfragen ergeben, eine große Mehrheit der Hamburger würde Voscherau wählen. Seitdem ist das Misstrauen gegen den vorgesehenen Herausforderer von Ole von Beust, Parteichef Mathias Petersen, amtlich. Den kenne niemand, der könne es nicht, hieß es heimlich in der Partei. Jetzt hat Petersen genug von den Vorwürfen und will wohl Handlungsfähigkeit demonstrieren: Er feuerte den langjährigen Landesgeschäftsführer Ties Rabe. Warum, weiß niemand so genau, denn der 46-Jährige galt als loyal und kompetent.

Das Vertrauensverhältnis zu Rabe, hat Petersen mitteilen lassen, sei zerstört. Das wollen selbst SPD-Insider vor lauter Überraschung nicht kommentieren, denn bis vor wenigen Tagen sollen Rabe und Petersen ein „freundschaftliches Verhältnis“ gepflegt haben. Beide wollten sich gestern nicht äußern.

Derzeit liegt der gelernte Arzt Petersen mit der SPD in Umfragen bei 27 Prozent. Das ist für eine Partei, die Hamburg über Jahrzehnte regierte, nicht viel. Noch schlimmer ist: Nur 13 Prozent der Hamburger kennen Petersen. Rabe, dessen Vertrag gerade erst verlängert worden ist, sollte sein Profil stärken. Anscheinend, heißt es, wolle Petersen sich aber nicht helfen lassen. Er sei beratungsresistent und zu sehr von sich überzeugt. Bei einem Termin mit SPD-Chef Kurt Beck bei der Lufthansa etwa soll Petersen erst zu spät gekommen sein, um dann „hinter Beck herzulaufen wie ein Schuljunge“. Viele anwesende Genossen, heißt es aus der SPD, seien über den schweigsamen Auftritt entsetzt gewesen.

Nach der verlorenen Wahl 2004 hatte Hamburgs SPD mit Petersen einen Neuanfang gewagt und auf den Nachwuchs gesetzt: So wurde beispielsweise der 36-jährige Michael Neumann Fraktionschef. Petersen, glaubten viele, sei zwar keine Idealbesetzung, aber er habe „Zeit zu wachsen“. Heute heißt es, der „Wachstumsprozess hat noch nicht begonnen“. In der Partei geht die Angst um, dass eine neue Führungsdebatte die SPD grundlegend schädigen könnte. Einer der alten SPD-Granden sagt: „Man lässt Petersen gewähren, weil man die Wahl schon verloren gegeben hat.“ Diese Einstellung, findet der Mann, sei unerträglich. Vielleicht meldet sich Henning Voscherau ja bald wieder zu Wort.

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