Politik : Reaktion auf den Terror: Straw sucht Bündnis mit Teheran

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Die Chance für den Beginn einer "neuen Ära" zwischen Iran und dem Westen - so bewerten iranische Kommentatoren den Besuch des britischen Außenministers Jack Straw am heutigen Dienstag. In der Tat wäre es noch vor wenigen Wochen undenkbar gewesen, dass ein britischer Außenminister dem islamischen Regime in Teheran seine Aufwartung macht.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA Vor seiner Abreise bezeichnete der britische Außenminister die "Islamische Republik" als einen "natürlichen Verbündeten in der Konfronation mit Afghanistan". Plötzlich findet sich Iran in diesem Konflikt des Westens mit den afghanischen Taliban auf der selben Seite wie sein alter Erzfeind. Durch die gewaltsame Machtübernahme der Taliban im Nachbarstaat hatte Teheran strategisch wichtigen Einfluss in Afghanistan verloren. Zudem ist Iran neben Pakistan erstes Zufluchtsland der verzweifelten afghanischen Bevölkerung. Die Versorgung von derzeit etwa eineinhalb Millionen afghanischen Flüchtlingen übersteigt schon jetzt die Kräfte Teherans. Ein neuer Flüchtlingsstrom könnte sich als soziale Katastrophe erweisen. Hier hofft Iran auf Hilfe aus dem Westen.

Unterdessen brach auch eine ranghohe Delegation der EU am Montag zu einer viertägigen Reise in mehrere moslemische Staaten auf, um die weltweite Koalition im Kampf gegen den Terrorismus zu festigen. Geführt wird die Delegation vom belgischen Außenminister und amtierenden EU-Ratsvorsitzenden Louis Michel. Erste Station ist am heutigen Dienstag Pakistan, bevor die EU-Vertreter weiter Iran, Saudi-Arabien, Ägypten und Syrien besuchen.

Mit Michel reisen der spanische Außenminister Josep Pique, dessen Land die EU-Präsidentschaft am 1. Januar 2002 übernimmt, der außenpolitische EU-Vertreter Javier Solana und EU-Außenkommissar Chris Patten. Ziel der so genannten Troika sei es, dass die besuchten Länder den internationalen Kampf gegen den Terrorismus unterstützen. Betonen wollen die Europäer dabei, dass das auch von ihnen anerkannte Recht der USA auf einen Gegenschlag nicht bedeute, dass der Westen den Terrorismus mit der arabischen oder islamischen Welt gleichsetze. Es wird erwartet, dass die Delegation mit den Regierungschefs und den Außenministern der sechs Länder zusammentreffen wird. Es sei eine Reise, um eine Koalition zu schmieden, sagte ein EU-Diplomat. Die EU habe besondere Verbindungen zu arabischen Staaten.

Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten nach einem Sondergipfel am Freitag erklärt, dass die USA das Recht hätten, gegen die Verantwortlichen für die Anschläge und die, die sie unterstützen, vorzugehen. Zugleich wies Michel in einem Interview der Zeitung "Le Figaro" am Montag darauf hin, dass Aktionen der USA zielgerichtet sein und von ständigen Beratungen begleitet werden müssten. Die EU hatte zudem "eine möglichst breite globale Koalition gegen Terrorismus unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen (UNO)" gefordert. Dieser Koalition sollten auch arabische Staaten angehören.

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