Reaktionen auf Hamburg : Merkel: Trauere um Opfer der "grausamen Attacke"

Die Kanzlerin kündigt rasche Aufklärung an. In der Hafencity kommen Hunderte zu Gedenkveranstaltung. Und die Kritik an der Flüchtlingspolitik wird wieder lauter.

Angela Merkel (Archivbild).
Angela Merkel (Archivbild).Foto: AFP Marco BERTORELLO

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Betroffenen des Messerangriffs in Hamburg ihr Mitgefühl übermittelt. Sie trauere um das Todesopfer der "grausamen Attacke", sagte sie am Samstag. Den Verletzten wünschte sie rasche Genesung und kündigte an: "Die Gewalttat muss und wird aufgeklärt werden." Sie stehe in ständigem Kontakt mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), sagte die Kanzlerin.
Zuvor hatte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) von einer "einer erneuten schrecklichen Attacke auf unsere Gesellschaft“ gesprochen. Den Angehörigen des Toten und den Verletzten versicherte er sein Mitgefühl. Zugleich dankte de Maizière den Bürgern und den Polizisten, dass der Täter durch ihr Eingreifen schnell gefasst werden konnte.

In der Hamburger Hafencity hielten Bischöfin Kirsten Fehrs und die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) am Samstag eine Schweigeminute für die Opfer des Messerangriffs ab. An dem Gedenken auf den Magellan-Terrassen nahmen mehrere Hundert Menschen teil. Die evangelische Kirche feiert in der Hafencity am Wochenende die Ankunft des Reformationsseglers „Artemis“.

De Maizière sagte, die Behörden müssten die Hintergründe und Motive der Tat umfassend aufklären. Die leidvolle Erfahrung lehre auch: „Wir müssen damit rechnen, dass die dschihadistische Ideologie als Begründung oder Rechtfertigung für Taten herangezogen wird, die vielleicht aufgrund ganz anderer Motive begangen werden.“ Die eigentlichen Motive könnten auch in der Persönlichkeit des Täters liegen.

Am Freitag hatte ein Mann in Barmbek auf Kunden eines Supermarkts und Passanten eingestochen. Dabei wurde ein 50-jähriger Mann getötet, sieben weitere Menschen wurden verletzt. Der Tatverdächtige war nach Angaben der Hamburger Behörden als Islamist eingestuft, aber nicht als Dschihadist. Er ist den Angaben zufolge Palästinenser und wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren, es gibt auch Quellen, die Saudi-Arabien als Geburtsland angeben. Der 26-Jährige reiste im März 2015 nach Deutschland ein. Ende 2016 wurde sein Asylantrag definitiv abgehnt. Seine Abschiebung scheiterte bislang an fehlenden Papieren.

Kritik an Flüchtlingspolitik

Als Reaktion auf den Messerangriff wurde erneut Kritik an der Flüchtlingspoltik laut. Der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka fragte, warum der Tatverdächtige nicht in Abschiebehaft saß. „Der Bundesgesetzgeber hat erst vor wenigen Wochen die Möglichkeiten dazu erweitert“, sagte er der „Heilbronner Stimme“. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach forderte strengere Einreisekontrollen. Wer ohne Papiere eintreffe, solle nicht länger über die Grenze dürfen. „Wir müssen wissen, wer in unser Land kommt!“, sagte er.

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, forderte, den Täter von Barmbek mit aller Konsequenz zur Verantwortung zu ziehen. „Sein Angriff auf die Kunden eines Supermarktes ist auch ein Angriff auf das offene, tolerante, solidarische Zusammenleben in unserem Land“, sagte er. Zugleich warnte er: „Freiheit, Demokratie und Mitmenschlichkeit sind stärker als der fanatische, religiös verbrämte Hass Einzelner auf unser Miteinander.“ (AFP/epd)

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