Politik : Reaktionen der internationalen Presse auf die Annahme des G-8-Friedensplans

Der konservative französische "Figaro" kommentiert

"Für die Allianz aber ist der sehnsüchtig erwartete Friedensplan von hoher Bedeutung.Er ist ein unerhoffter Erfolg der Europäer und der Russen.In Dayton hatten noch die USA ihre Bosnien-Lösung durchgesetzt.Jetzt mußten die Amerikaner bei den diplomatischen Verhandlungen in der zweiten Reihe bleiben.Die kommenden Tage sind für Europa entscheidend."



Die niederländische, sozialdemokratisch orientierte Tageszeitung "Volkskrant" meint

"Milosevic hat sich einverstanden erklärt mit einer Variante der Absprache von Rambouillet.Sie ist für ihn ungünstiger als es der ursprüngliche Vorschlag gewesen wäre.Das wirft die bittere Frage auf: warum jetzt und nicht schon vor zwei Monaten? Offensichtlich ist die Überzeugungskraft der Nato-Bombenangriffe erheblich gewesen."



Die "Neue Zürcher Zeitung" schreibt

"Milosevic hat einmal mehr Zeit gewonnen.Als skrupelloser und gerissener Machtpolitiker wird er sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Verwirklichung des Friedensplans zu behindern, wo immer er nur kann.(...) Es dürfte Milosevic angesichts einer gewissen Verwässerung von Kernforderungen der Nato nicht schwerfallen, seine Zustimmung im eigenen Land doch noch als einen Sieg hinzustellen.(...) Man wird also trotz allem weiterhin mit Milosevic verhandeln, und das ist für den Belgrader Diktator ein Triumph."



Die russische Tageszeitung "Nowye Iswestija" schreibt zur Rolle des russischen Jugoslawien-Sondergesandten Viktor Tschernomyrdin

"Hier hätte man das Verdienst des russischen Sondergesandten würdigen sollen, der guten Gewissens und verantwortungsvoll Kilogramme seiner eigenen Gesundheit verbraucht, indem er sich völlig den unglaublich schwierigen Verhandlungen verschreibt.Jedoch zeigte sich die geliebte Heimat unsensibel und hat äußerst kaltherzig reagiert."

Die russische Zeitung "Kommersant" meint

"Die meisten Artikel geben vorwiegend den Standpunkt des Westens wieder (...).Im Gegensatz zur Rambouillet-Vereinbarung ist auch die Formulierung für die Kosovo-Autonomie geändert worden.Außerdem behält sich der Westen das Recht auf eine Kontrolle über die Nachkriegsordnung nicht nur Jugoslawiens sondern auch der gesamten Region vor (...).Das würde aber eine langfristige Nato-Präsenz auf dem Balkan bedeuten."



Die rechtsliberale dänische Tageszeitung "Jyllands-Posten" (Aarhus) schreibt

"Die Führer des Westens stehen jetzt da, wo der britische Premierminister Chamberlain stand, als er Nazi-Führer Adolf Hitler 1938 in München traf.Noch können sie abspringen.Die Nato kann immer noch ihre volle militärische Kraft einsetzen und diesen Krieg zu dem einzig richtigen Abschluß bringen, der in der sicheren Rückkehr aller Kosovo-Albaner (...) und dem Tod, der Flucht oder der Festnahme von Milosevic besteht."

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