Reaktionen in Schweden : Die offene Gesellschaft und ihre Ruhe

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Schweden ist ein traditionell neutrales Land und war im europäischen Vergleich bisher relativ islam- und einwandererfreundlich. Erst kürzlich hatte ein Gerichtshof ein Burkaverbot in Schulen für rechtswidrig erklärt, die Regierung befürwortet mit Nachdruck den EU-Beitritt der Türkei und die Rechtspopulisten werden von allen anderen Parlamentsparteien ausgegrenzt. Das Thema Islamophobie wird prominent behandelt, Dänemarks einwandererfeindliche Politik scharf kritisiert. Auch muslimische Einwanderer, die zuvor in Deutschland oder Frankreich um Asyl baten, legen Zeugnis davon ab, dass sie in Schweden zwar auch nicht vorurteilsfrei, aber doch um einiges freundlicher aufgenommen wurden als andernorts.

Dementsprechend versuchte der populäre bürgerliche Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt in einer Stellungnahme am Sonntag mit ausgesprochen zurückhaltenden Worten die Wogen zu glätten und das gesellschaftliche Klima im Lande nicht zu verschlechtern: „Das was passiert ist, ist inakzeptabel, weil Schweden eine offene Gesellschaft ist, die will, dass Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, die an unterschiedliche Götter oder gar nicht an Gott glauben, Seite an Seite miteinander leben können“, sagte er. Er warnte davor, aus „dem Ereignis“ am Vortag voreilige Schlüsse zu ziehen. Der Rechtsstaat müsse nun die Aufklärung übernehmen.

Reinfeldt kritisierte damit auch indirekt die um einiges gröberen Äußerungen des als hitzig bekannten schwedischen Außenministers Carl Bildt. „Das war ein höchst beunruhigender Versuch eines Terroranschlags“, hatte Bildt schon am Samstagabend aus dem Stockholmer Schloss getwittert, wo er an einer Feier mit den diesjährigen Nobelpreisträgern teilnahm. „Es hätte wirklich katastrophal ausgehen können.“

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