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Während sogar im Vatikan viele von der Nachricht des päpstlichen Rückzugs überrascht wurden, waren einige Vertraute offenbar schon länger informiert. Der ehemalige Erzbischof von Canterbury – Rowan Williams – wusste laut „Guardian“ vor Weihnachten von der Entscheidung. Der Bruder des Papstes, Georg Ratzinger, sagte, er sei in die Pläne eingeweiht gewesen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, würdigte die Verdienste des Papstes. „Papst Benedikt XVI. hat dem jüdisch-christlichen Verhältnis neue Impulse verliehen und es mit Herzlichkeit erfüllt“, sagte Graumann. „Couragiert hat er den Kurs der Annäherung und Freundschaft seines Vorgängers beherzt fortgesetzt.“ Der Papst habe das Gespräch mit der jüdischen Gemeinschaft ausdrücklich gesucht und auch schwierige Themen nicht gemieden.

Auch die Muslime in Deutschland würdigten das Wirken Benedikts. Er habe bei seinen Deutschlandbesuchen deutlich gemacht, dass Muslime ein selbstverständlicher Teil der Bundesrepublik seien, erklärte die türkisch-islamische Ditib.

Der Regierender Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), erklärte: „Diese ungewöhnliche Entscheidung verdient großen menschlichen Respekt“.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, bezeichnete die Amtszeit des Papstes als „verpasste Chance“: Durch seine Äußerungen zu Homosexuellen oder die Aufhebung der Exkommunikation der antisemitischen Piusbrüder sei die Kirche teils hinter Erneuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückgefallen. Die Initiative Kirche von unten begrüßte die Rücktrittsankündigung. „Die jüngsten Skandale haben deutlich gezeigt, dass es ihm an Kraft und Willen mangelte, die Kirche zu leiten und überfällige Reformen zu ermöglichen“, hieß es in einer Erklärung.

Der Theologe Hans Küng sagte, er hoffe, der scheidende Papst werde keinen Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers nehmen. Allerdings habe dieser in seiner Amtszeit so viele konservative Kardinäle berufen, dass kaum eine Person zu finden sei, „die die Kirche aus ihrer vielschichtigen Krise herausführen könnte“.

Der Dramatiker Rolf Hochhuth bezeichnete den Rücktritt als vorbildlich. „Ich finde es heroisch und vorbildlich, dass ein solcher Mann die Bescheidenheit hat, sich nicht für unersetzlich zu halten“, sagte er der „Märkischen Allgemeinen“. In seinem Stück „Der Stellvertreter“, das vor rund 50 Jahren Proteste auslöste, thematisiert Hochhuth das Schweigen des Vatikans zur Judenvernichtung. Tsp

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