Reaktionen : US-Medien zu Opel: Nur am Rande

Reaktionen der US-Medien auf den deutschen Ärger wegen Opel: "Die Bundesregeriung schimpft, aber eigentlich hat ihr GM einen Gefallen getan".

Christoph von Marschall

Die US-Reaktionen auf den deutschen Ärger über die Opel-Entscheidung sind ein weiteres Beispiel dafür, wie unterschiedlich nationale Öffentlichkeiten auch in der globalisierten Welt bilaterale Streitfragen wahrnehmen. Anders als in Deutschland ist der Konflikt für die US-Medien nur ein zweitrangiges Thema, über das sie auf ihren hinteren Politikseiten oder im Wirtschaftsteil berichten. Nüchtern vermelden sie die teils verärgerten, teils empörten Stellungnahmen der Bundesregierung und der Spitzenpolitiker der betroffenen Bundesländer. Sie zitieren auch die Arbeitnehmervertreter, die diese Entwicklung nicht hinnehmen und mit Streiks bekämpfen wollen. Doch kommen einflussreiche Zeitungen dann zu dem Schluss, GM habe den Deutschen womöglich sogar einen Gefallen getan mit der Entscheidung, Opel zu behalten.

Die „New York Times“ meint mit Blick auf die Einwände der EU-Kommission gegen die Magna-Option: „Die deutsche Führung geißelt GM’s Kehrtwende – aber zugleich wird sie dadurch von Kopfschmerzen befreit.“ Nun müsse die Bundesregierung nicht mehr fürchten, dass Brüssel gegen die Bedingung des Verkaufs an Magna einschreite. Die „Washington Post“ und das „Wall Street Journal“ lassen ausführlich GM’s Vizechef für das internationale Geschäft, John Smith, zu Wort kommen. „Wer die Magna-Lösung gut findet, wird auch den GM-Plan mögen.“ Es gebe kaum Unterschiede zwischen den beiden Vorschlägen zur Restrukturierung bei Opel. Die GM-Lösung sei zudem billiger für den deutschen Steuerzahler.

Die US-Medien erwähnen, dass der Zeitpunkt, zu dem GM den Beschluss bekannt gab, unglücklich gewählt war und den Ärger in Deutschland verstärkt habe, weil Kanzlerin Angela Merkel von der Nachricht nach ihren politischen Terminen in Washington überrascht wurde. Anders als in Deutschland benutzen US-Medien nicht Worte wie „Wortbruch“, „Täuschung“ oder „Erpressung“ in der Beschreibung von GM’s Verhalten. Das Hauptmotiv für GM’s Wunsch, Opel zu behalten, ist nach amerikanischer Darstellung, dass der Autoriese nach erfolgreich durchstandener Insolvenz nun wieder besser da stehe und Opels Erfahrung im Kleinwagengeschäft wertvoll für die künftige Konzernstrategie sei. Sie berichten, dass die die Arbeiter in anderen europäischen Werken über die Entwicklung jubeln, vor allem bei Vauxhall in Großbritannien. Die Berichte geben auch keine Belege für den Vorwurf, Präsident Barack Obama sei über die Entscheidung bereits informiert gewesen, als er mit Merkel sprach, habe sie aber im Unklaren gelassen. Seine Aufmerksamkeit richtete sich am Dienstag auf mehrere, für ihn wichtige Regionalwahlen in den USA.

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