Reaktor-Deal : Libyen will von Frankreich neu entwickelten Atomreaktor

Frankreich und Libyen machen Ernst: Eine Präsentation der neusten Kraftwerkstechnologie soll bereits vereinbart worden sein. Die Opposition in Paris läuft Sturm gegen den Deal.

ParisDie zwischen Frankreich und Libyen vereinbarte Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Atomenergie für zivile Zwecke nimmt konkrete Züge an. Libyen habe großes Interesse an dem bislang leistungsfähigsten Atomreaktor vom Typ EPR, berichtete die französische Zeitung "Le Parisien". Das französische Atomkraft-Unternehmen Areva sei bereits gebeten worden, den neuartigen Europäischen Druckwasserreaktor in Libyen vorzustellen, sagte Philippe Delaune vom Kommissariat für Atomenergie (CEA), dem größten Anteilseigner von Areva. Als nächstes müsse geprüft werden, ob das libysche Stromnetz den Reaktor verkraften könne.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte Ende Juli bei einem Besuch in Libyen den Bau eines Atomkraftwerkes in Aussicht gestellt. Kurz zuvor hatte die Regierung in Tripolis die seit Jahren gefangenen Krankenschwestern aus Bulgarien freigelassen. Sarkozy wies mehrfach Vorwürfe zurück, die Lieferung des Atomkraftwerks sei Teil der Verhandlungen über das Schicksal der Krankenschwestern gewesen.

"Geopolitisch unverantwortlich"

Die geplante Lieferung nach Libyen hatte bei der Opposition und international heftige Kritik ausgelöst. Nach offiziellen Angaben soll der Strom für den Betrieb einer Entsalzungsanlage genutzt werden. Es sei "geopolitisch unverantwortlich", einem Staat den Zugang zu Atomtechnologie zu ermöglichen, der bis vor kurzem noch als Schurkenstaat und Unterstützer terroristischen Organisationen galt, betonte die französische Linke.

Der EPR wurde von Areva und Siemens entwickelt. Er soll leistungsfähiger und sicherer als frühere AKW-Generationen sein. Europas erster EPR-Meiler wird zurzeit in Finnland errichtet. In der Normandie laufen Vorarbeiten für einen weiteren EPR. Der Reaktor könnte zum Modell für die Erneuerung des französischen Atomkraft-Parks aus 58 Reaktoren werden, die rund drei Viertel des Strombedarfs des Landes decken. Das Projekt in Finnland leidet aber immer wieder unter Verzögerungen. Der Reaktor wird nun voraussichtlich erst 2011 in Betrieb gehen - gut zwei Jahre später als ursprünglich geplant. (mit AFP/dpa)

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