Politik : Rebellen in Aceh geben ihre Waffen ab

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta - In Indonesiens Tsunami-Provinz Aceh haben Ex-Rebellen erstmals Waffen abgegeben. Das war in dem Friedensvertrag verabredet worden, den Separatisten der „Bewegung Freies Aceh“ (Gam) und Regierungsvertreter Indonesiens vor vier Wochen in Helsinki unterschrieben hatten. Die EU und der südostasiatische Staatenbund Asean haben Beobachter nach Aceh entsandt. Sie nahmen dort am Donnerstag von Gam-Mitgliedern Maschinengewehre, Pistolen und einen Raketenwerfer entgegen.

Großbritanniens Außenminister Jack Straw begrüßte die Waffenübergabe, eine friedliche Lösung in Aceh wäre „regional und international ein sehr positives Beispiel“. Indonesiens Informationsminister Sofjan Dschalil sprach von einem „historischem Ereignis“. Gam und indonesische Regierungstruppen hatten sich 30 Jahre lang bekämpft, dabei starben etwa 15000 Menschen. Die meisten Opfer waren Zivilisten.

Internationaler Druck und der Tsunami vom Dezember 2004, bei dem in Aceh etwa 130000 Menschen umkamen, brachten die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch. Gam ermöglichte eine Einigung, als die Gruppe von ihrem Unabhängigkeitsziel abrückte. Die Ex-Rebellen, deren inhaftierte Kämpfer jüngst nach einer Amnestie freikamen, wollen bald eine Partei gründen.

Nach Gam-Angaben übergaben ehemalige Rebellen, die in Zivil aus den Bergen in die Provinzhauptstadt Banda Aceh gekommen waren, nun zunächst 78 Schusswaffen. Sie wurden sofort von EU-Beobachtern mit Hilfe von Metallschneidern in Teile zerlegt. In den kommenden Tagen soll das an verschiedenen Orten Acehs fortgesetzt werden. Gam hat sich verpflichtet, bis Jahresende alle Waffen, nach eigenen Angaben 840 Stück, abzugeben. Skeptiker erwarten jedoch, dass nicht alle Kämpfer Folge leisten werden. Gam-Sprecher Sofjan Dawod räumte ein, dass noch Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse. „Einige Kämpfer haben sich beschwert. Waffen sind unsere besten Freunde", sagte Sofyan Reportern. Parallel zur Gam-Entwaffnung muss Indonesien vertragsgemäß seine Militär- und Polizeipräsenz in Aceh von rund 45000 auf knapp 24000 Mann verringern.

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