Politik : Rebellen in Kolumbien beschuldigen deutsche Geiseln der Spionage

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Berlin - Eine kolumbianische Guerillagruppe, die „Nationale Befreiungsarmee“ (ELN), hat offenbar zwei deutsche Staatsbürger entführt. Die ELN hatte am Montag auf ihrer Internetseite verkündet, sie halte seit mehreren Wochen zwei Deutsche fest. Das Auswärtige Amt bestätigte die Entführung am Dienstag: „Wir müssen davon ausgehen, dass zwei deutsche Staatsangehörige in Kolumbien gegen ihren Willen festgehalten werden“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums dem Tagesspiegel. Bei den beiden entführten Deutschen handele es sich um Rentner, die als Touristen in der Region unterwegs seien.

„Das Auswärtige Amt und der Krisenstab sind um eine Lösung des Falls bemüht und stehen mit allen relevanten Stellen in Kontakt“, sagte die Sprecherin des Außenamts weiter. Auch die kolumbianischen Einreisebehörden haben laut Angaben des kolumbianischen Rundfunksenders „Radio Caracol“ inzwischen bestätigt, dass sich die beiden Deutschen seit mehreren Tagen in Kolumbien aufhalten.

In ihrer Mitteilung erklärten die Rebellen, sie betrachteten die beiden Rentner Uwe B. und Günther B. als Spione. Diese hätten bislang keinen plausiblen Grund für ihre Anwesenheit in der Region Catatumbo liefern können. Zudem habe sie bislang weder eine Organisation noch eine Person als vermisst gemeldet. Als Spione gelte für die beiden Deutschen auch nicht das humanitäre Völkerrecht.

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos bezweifelte die Version der ELN, nach der die Männer Spione seien: „Ich habe keine Ahnung, wie die ELN auf die Idee kommt, Deutsche würden dort spionieren. Das ist eine Ausrede, die wir weder verstehen noch akzeptieren.“ Er forderte die Rebellen auf, die Geiseln umgehend freizulassen.

Die Region Catatumbo liegt im Norden der Provinz Norte de Santander an der Grenze zu Venezuela. Norte de Santander ist seit langem als ein Stützpunkt der beiden größten Guerillaorganisationen Farc und ELN bekannt. Besonders die Nähe zu Venezuela ist für die Rebellen günstig. Kolumbien hat dem Nachbarland in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen, Guerillas Unterschlupf zu gewähren.

Vor zwei Wochen hatte die ELN in einer anderen Region des Landes sechs Geologen entführt, darunter einen Kanadier und zwei Peruaner. Die ELN will laut kolumbianischen Medien trotz der aktuellen Entführungen an den laufenden Friedensverhandlungen der Regierung mit der Rebellenorganisation Farc im kubanischen Havanna teilnehmen. Dem hat der kolumbianische Präsident allerdings für den Moment eine Absage erteilt. „Es gibt für alles eine Zeit“, sagte Santos in einem Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur Efe.

Die ELN ist nach der Farc die zweitgrößte Guerillaorganisation im Land. Nach aktuellen Schätzungen gehören ihr zwischen 2000 und 3000 Kämpfer an. Die Farc hat dagegen mehr als 9 000 Kämpfer. Max Muth

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