Politik : Rebellenchef Sankoh in Freetown festgenommen

Neun Tage nach seinem Verschwinden ist der Rebellenführer Foday Sankoh in Freetown festgenommen worden. Passanten erkannten den 69-jährigen, als er nach dem Weg zur Botschaft Nigerias fragte. Die Vereinten Nationen kündigten indes an, Maßnahmen zur Befreiung von 350 entführten UN-Soldaten seien in die Wege geleitet. Bei einem Angriff der Rebellen nördlich der Hauptstadt Freetown wurden ein UN-Soldat getötet und sechs Soldaten der Regierungsarmee verletzt.

Foday Sankoh ist einer der berüchtigsten Rebellenführer Westafrikas, denn seine Truppen haben jahrelang die Bevölkerung mit grausamen Methoden tyrannisiert. Er gilt als einer der schlimmsten Terroristen. Um des Friedens willens war der einstige Militärfotograf 1999 zum Vizepräsidenten seines Landes gemacht worden, was er de facto immer noch ist. Am 8. Mai war Sankoh verschwunden, nachdem es vor seinem Haus Proteste gegeben hatte und seine Leibwache mehrere Menschen erschossen hatte.

Über seine Verhaftung am Mittwoch morgen gibt es widersprüchliche Meldungen. Die einen sagen, er sei in der Stadt ergriffen worden. Die anderen berichten, man habe ihm am Strand verhaftet. Ein Moscheebesucher, den Sankoh nach dem Weg zur nigerianischen Botschaft fragte, soll den Rebellenchef erkannt und einen Milizionär auf ihn aufmerksam gemacht haben. Sankoh war offenbar unbewaffnet und nur von einem Leibwächter begleitet, bei seiner Verhaftung kam es zu einer Schießerei, bei der eine Kugel den Rebellenchef am Bein verletzte.

Was mit dem 69-Jährigen Sankoh, der sich derzeit in Gewahrsam der Armee Sierra Leones befindet, geschehen soll, ist die große Frage in Freetown. In seiner Abwesenheit hatte die Regierung Sierra Leones Beweise vorgelegt, die Sankohs Pläne für einen Staatsstreich dokumentieren. Präsident Ahmed Kabbah hatte seinen "Vize" deswegen öffentlich beschuldigt. Auch weitere Anklagepunkte könnten vorgebracht werden. In Sankohs Haus fanden sich nach Angaben von Informationsminister Julius Spencer Pläne zur Rekrutierung von Kindersoldaten. Außerdem ist eine Liste für den Transfer von 2134 Diamanten an ausländische Firmen gefunden worden.

In Sierra Leone sind immer noch 350 UN-Soldaten im Busch verschwunden, die meisten von ihnen vermutlich in der Hand von Rebellen von Foday Sankohs "Vereinigter Revolutionärer Front". Der Kommandant der UN-Friedenstruppe, Vijay Jetley, sagte gestern, dass "ein Prozess zur Befreiung der Geiseln im Gange sei". Der Präsident Liberias, Charles Taylor, arbeite "daran".

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