Politik : Rebellenchef wird Vize in Sudan

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Khartum Nach gut zwei Jahrzehnten Krieg im Süden Sudans hat eine neue politische Ära in dem nordostafrikanischen Land begonnen. Der frühere Rebellenchef John Garang wurde am Samstag als Vizepräsident einer neuen Regierung vereidigt. Es ist das erste Mal, dass ein christlicher Südsudanese ein so hohes Amt in der sonst islamistischen Regierung übernimmt. Garang wird zugleich Chef einer eigenen Regierung für den teilautonomen Südsudan sein. Nach einer sechsjährigen Übergangszeit soll die Bevölkerung in einem Volksentscheid abstimmen, ob der Südsudan ein unabhängiger Staat werden soll. Damit setzt Sudan den Friedensvertag um, der vor wenigen Monaten ausgehandelt worden war.

Zu Beginn der Feiern unterzeichnete Staatspräsident Omar al Baschir die neue Verfassung für Sudan. In ihr ist erstmals festgehalten, dass die christliche Bevölkerung im Süden nicht unter die islamische Rechtsprechung fällt. An der Zeremonie in Khartum nahmen unter anderen UN- Generalsekretär Kofi Annan und der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki teil. „Der Friedensprozess zwischen Nord und Süd muss unumkehrbar sein“, sagte Annan. Dazu gehöre auch, eine friedliche Lösung für die Krisenregion Darfur im Westen und einen neu im Osten des Landes aufflackernden Konflikt zu finden, fügte er hinzu. Am Vortag war Garang in Khartum von hunderttausenden Menschen jubelnd empfangen worden. Der 60-Jährige war seit Beginn des Krieges nicht mehr in Khartum gewesen.

In dem längsten Bürgerkrieg Afrikas waren mindestens zwei Millionen Menschen ums Leben gekommen und vier Millionen vertrieben worden. Er war ausgebrochen, als die Regierung in Khartum die islamische Rechtsprechung im christlich-animistischen Süden einführen wollte, und verschärfte sich mit der Entdeckung beachtlicher Ölvorkommen im Süden. Das Friedensabkommen gesteht dem Süden weitgehende Autonomie und die Hälfte der Öleinnahmen zu. dpa

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