Politik : Rebellenführer Foday Sankoh hat den Frieden wieder gebrochen

Der Ausbruch neuer Gewalt in dem westafrikanischen Land Sierra Leone lässt einen seit mehr als 30 Jahren bekannten, unberechenbaren Querdenker wieder ins Rampenlicht treten. Rebellenführer Foday Sankoh gilt als der Schlüssel zum Verständnis der verwirrenden Ereignisse. Als junger Armee-Unteroffizier gehörte er bereits 1967 zu den Militärs, die dem damaligen Putsch kritisch gegenüber standen. Sankoh, heute etwa Mitte 60, hat bei Revolten öfter mitgemischt, kam ins Gefängnis und hat es nach dem letzten Waffenstillstand von 1999 nach acht Jahren Bürgerkrieg bis zum Vize-Präsidenten gebracht.

Sankoh, der Gründer der Rebellenorganisation RUF (Vereinte Revolutionäre Front), war in den 70er Jahren unter Präsident Siaka Stevens wegen Umsturzversuchs zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. In dieser Zeit ließ er sich zum Christentum bekehren. Nach seiner Entlassung arbeitete Sankoh als Fotograf und organisierte in der Stadt Bo im Süden des Landes eine Studentenzelle. Aus ihr ging die RUF hervor. Sankoh trainierte die wachsende Truppe im Busch und lehrte sie eine Mixtur aus Militärtaktik und Religion, die er mit Ideen des Maoismus und des afrikanischen Nationalismus versetzte. Zuletzt soll er 45.000 Mann unter Waffen gehabt haben, die den Bürgerkrieg in den 90er Jahren führten und Präsident Ahmad Tejan Kabbah stürzten.

Dies veranlasste die westafrikanischen Staaten zum Eingreifen. Unter Führung Nigerias wurde die westafrikanische Friedenstruppe ECOMOG nach Sierra Leone geschickt, um den Bürgerkrieg zu beenden. Am 7. Juli 1999 gelang es den westafrikanischen Nachbarn, dass die RUF einen Waffenstillstand unterschrieb. Das Friedensabkommen sah die Rückkehr von Präsident Kabbah vor, unter dem Sankoh Stellvertreter wurde.

Die Ruhe währte kein Jahr. In der vergangenen Woche brachen die Rivalitäten wieder auf. Es gab Schießereien. Etwa 500 UN- Soldaten, die den Waffenstillstand überwachen, wurden von der RUF als Geiseln genommen und verschleppt. Die Soldaten der Friedenstruppe UNAMSIL aus Indien, Nigeria und Sambia wurden entführt, als sie versuchten, zerstrittene Rebellengruppen gemäß dem Friedensvertrag zu entwaffnen.

Vor Sankohs Haus kam es am Montag und Dienstag erneut zu Schießereien. Es gab mindestens sieben Tote. Seit Dienstag gilt Sankoh, der in Freetown außer seinen Anhängern kaum Freunde hat, als vermisst. Die UN weiß offiziell nicht, wo er sich aufhält. Nach Militärangaben soll sich Vize-Präsident Sankoh in Schutzhaft befinden. Zu Sankoh sollen noch 15.000 Mann halten, deren Entwaffnung vor den für 2001 geplanten Wahlen abgeschlossen sein soll.

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