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Rebellenhochburg in der Ukraine : Lugansk vollständig von der ukrainischen Armee umstellt

Lugansk ist nun von der russischen Grenze abgeschnitten. Der Militärchef der Separatisten hat unterdessen seinen Rücktritt als Verteidigungsminister der selbst ernannten Volksrepublik Donezk erklärt.

Menschen in der Stadt Donezk suchen in einem improvisierten Unterschlupf Schutz vor Bomben und den bewaffneten Kämpfen.
Menschen in der Stadt Donezk suchen in einem improvisierten Unterschlupf Schutz vor Bomben und den bewaffneten Kämpfen.Foto: AFP

Die ukrainische Armee hat die Rebellenhochburg Lugansk im Osten des Landes nach eigenen Angaben vollständig umstellt. Die Regierungstruppen hätten die letzte Verbindungsstraße zur ukrainisch-russischen Grenze abgeschnitten, sagte ein Armeesprecher am Donnerstag. Damit sei Lugansk eingekesselt.

Der russische Hilfskonvoi mit 280 Lastwagen setzte währenddessen seine Fahrt durch Südrussland Richtung Lugansk fort. Die Grenze wurde dabei jedoch noch nicht überquert, teilte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow am Donnerstag mit. Er wies ukrainische Medienberichte zurück, wonach ein Teil der Kolonne mit insgesamt 280 Lastwagen bereits auf dem Gebiet des Landes sei. Medien in Moskau berichteten, dass der etwa drei Kilometer lange Zug im Süden Russlands im Raum Rostow unterwegs sei. Das Gebiet grenzt an das Konfliktgebiet Lugansk in Ostukraine, die Stadt Rostow am Don liegt etwa 60 Kilometer vor der Grenze.

Militärchef der Separatisten tritt zurück

Der Militärchef der ukrainischen Separatisten, der Russe Igor Strelkow, hat unterdessen seinen Rücktritt erklärt. Die Rebellenführung der selbst erklärten Volksrepublik Donezk nahm den Rücktritt Strelkows als Verteidigungsminister an, wie die Rebellen am Donnerstag auf ihrer Webseite mitteilten. Strelkow werde einer anderen Tätigkeit nachgehen.

Gefechte um Donezk halten an

Die heftigen Gefechte zwischen ukrainischen Regierungstruppen und Separatisten um die Stadt Donezk in der Ostukraine gingen währenddessen unvermindert weiter. Nach Darstellung von Rebellen nahmen Regierungstruppen die Separatisten-Hochburg Donezk unter heftigen Beschuss. Mehrere Mörsergranaten schlugen in Gebäude der polytechnischen Universität und der Staatsanwaltschaft ein, die von Vertretern der selbsterklärten "Volksrepublik Donezk" besetzt ist. Angaben über Verletzte oder Tote wurden nicht gemacht. Im Kampf gegen die Rebellen rückten die Regierungstruppen zuletzt immer weiter auf die Stadt vor, in der zu Friedenszeiten fast eine Million Menschen lebten.

Einwohner von Lugansk seit fast zwei Wochen ohne Wasser und Strom

Nach fast zwei Wochen ohne Wasser und Strom hoffen vor allem die Einwohner von Lugansk dringend auf Hilfe. Insgesamt 2000 Tonnen Hilfsgüter seien unterwegs, darunter neben Trinkwasser und Proviant auch Schlafsäcke und Stromgeneratoren, teilten russische Behörden mit. Die ukrainische Regierung will die Hilfe zwar ins Land lassen. Man stimmte der Einfuhr über Lugansk zu. Allerdings sollen die Lastwagen von eigenen Sicherheitskräften und Vertretern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) überprüft werden. Die Verteilung der Güter soll das Rote Kreuz koordinieren.

Rotes Kreuz verlangt Sicherheitsgarantien für Einsatz

Vor einem Einsatz zur Verteilung russischer Hilfsgüter in der Ostukraine erwartet das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) jedoch Sicherheitsgarantien aller Konfliktparteien. Der Respekt für die Neutralität und Unabhängigkeit des IKRK müsse durch eine ukrainisch-russische Vereinbarung gewährleistet werden, sagte ein IKRK-Sprecher am Donnerstag in Genf. Zudem brauche man Informationen über den genauen Inhalt der Lieferungen, um Zollfragen zu klären und den Transport von der Grenze in die Konfliktregionen zu planen.

Die Ukraine stellte mittlerweile ebenfalls einen Hilfstransport mit Lebensmitteln für die Menschen in Lugansk zusammen, der noch am Donnerstag dort ankommen sollte. Der russische Hilfstransport ist umstritten, weil die Regierung in Kiew Russland als „Aggressor“ ansieht. Sie fürchtete, Russland könne unter dem Vorwand humanitärer Hilfe in den bewaffneten Konflikt eingreifen. Moskau wies entsprechende Vorwürfe zurück.

(dpa/Reuters)


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