Rechte und Neonazis : Braune Verbindungen in Europa

Die Rechtsextremisten agieren international. Im Fall der Zwickauer Neonazi-Zelle sind die Verflechtungen von besonderem Interesse. Wo die Rechten aktiv sind, zeigen Beispiele aus Europa.

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Aufmarsch. Neonazis aus etlichen Staaten treffen sich unter anderem auch jedes Jahr in Schweden.
Aufmarsch. Neonazis aus etlichen Staaten treffen sich unter anderem auch jedes Jahr in Schweden.Foto: AFP

Sie rufen „Deutschland den Deutschen“ und hassen Ausländer. Doch viele Rechtsextremisten geben sich fast schon kosmopolitisch, wenn es um Verbindungen zu „Kameraden“ in anderen Staaten geht. Da ist dann vom gemeinsamen Kampf für die „weiße Rasse“ die Rede, außerdem wird gern an die Kollaboration ausländischer Faschisten mit dem Regime der Nationalsozialisten erinnert.

So kamen jahrelang Hunderte Neonazis aus europäischen Nachbarstaaten zu den Rudolf-Heß-Märschen im bayerischen Wunsiedel. Und deutsche Rechtsextremisten fahren regelmäßig im Februar zum „Tag der Ehre“ in Budapest. Mit einem martialischen Aufmarsch erinnern da Neonazis aus mehreren Ländern an die Abwehrschlacht, die Wehrmacht und Waffen-SS im Jahr 1945 in Ungarns Hauptstadt gegen die Rote Armee geführt haben.

Zum Tag der Ehre kam 2007 auch der damalige NPD-Chef Udo Voigt und hielt vor 1000 Rechtsextremisten, darunter viele Anhänger der internationalen Skinhead-Vereinigung „Blood & Honour“, eine Ansprache.

Für die deutschen Sicherheitsbehörden ist das Geflecht der braunen Internationale jetzt wieder von besonderem Interesse. Bundesanwaltschaft, Polizei und Verfassungsschutz untersuchen, ob die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)“ Kontakte ins Ausland unterhalten hat. Die Erkenntnisse sind bislang aber fragmentarisch.

Nach Informationen des Tagesspiegels gibt es folgende Hinweise: Im April 1998 erhielt ein mutmaßlicher Unterstützer von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe den Anruf eines sächsischen Rechtsextremisten aus der Schweiz. Es soll über die Beschaffung von Geld für die im Januar 1998 abgetauchten Neonazis und um die Eltern der drei gesprochen worden sein.

Aus der Schweiz stammte auch die Pistole der Marke Ceska, mit der Mundlos und Böhnhardt neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft erschossen haben. Der Kontakt, den das Trio bei einem Urlaub auf der Insel Fehmarn zu Schweizern hatte, sei jedoch eine zufällige Ferienbekanntschaft gewesen, sagen Sicherheitskreise. Vermutungen, die drei Flüchtigen hätten sich zeitweise nach Südafrika abgesetzt, haben sich bislang nicht bestätigt.

Die Spur der Neonazi-Mörder
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Die Sicherheitsbehörden prüfen allerdings auch, ob Auslandsreisen von Rechtsextremisten aus dem Umfeld des NSU einen Bezug zu den Taten der Terrorgruppe aufweisen. So ist bekannt, dass der sächsische Rechtsextremist Max B. im Jahr 1999 beim „Tag der Ehre“ in Budapest war. Ein Zusammenhang mit der Hilfe, die B. dem Trio geleistet haben soll, sei bislang jedoch nicht zu erkennen, heißt es in Sicherheitskreisen.

Max B. soll 1998 seinen Personalausweis an Uwe Mundlos übergeben haben, damit dieser sich einen Reisepass auf den Namen B. ausstellen lassen konnte. Außerdem soll B. 1998 dem Trio seine Wohnung zur Verfügung gestellt haben.

Eine weitere Figur aus dem Dunstkreis der Gruppierung NSU, Maik E., soll 2005 in Schweden am jährlichen „Wretström-Marsch“ teilgenommen haben. Im Dezember treffen sich Neonazis aus mehreren Staaten nahe Stockholm, um an den schwedischen Skinhead Daniel Wretström zu erinnen, der Ende 2000 bei einer Auseinandersetzung mit Migranten starb.

Maik E. ist der Zwillingsbruder von André E., einem mutmaßlichen Unterstützer des NSU. Die Polizei nahm André E. im November auf dem Anwesen von Maik E. in Brandenburg fest. André E. wird unter anderem verdächtigt, das perfide Paulchen-Panther-Video der Terrorgruppe produziert zu haben.

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