Rechter Terror : Untergetauchte Rechtsextremisten haben Hilfe aus Berlin bekommen

12.12.2011 22:50 UhrVon Frank Jansen
Fahnenwucht. Nach und nach tauchen in den Szenarien der Ermittler weitere Personen aus ganz Deutschland auf. Nicht ganz unwichtige unter ihnen kommen auch aus Berlin. Foto: dapd
Fahnenwucht. Nach und nach tauchen in den Szenarien der Ermittler weitere Personen aus ganz Deutschland auf. Nicht ganz unwichtige unter ihnen kommen auch aus Berlin. - Foto: dapd

Die drei Mitglieder der rechten Terrorzelle wurden wohl auch aus der Hauptstadt unterstützt. Es scheint möglich, dass sie dort Waffen und Wohnmobile erhielten – und das schon früh.

In dem wuchernden Geflecht aus Indizien und Verdachtsmomenten, mit dem sich die Ermittler im Fall der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)“ befassen müssen, werden auch die Hinweise auf Berlin interessant. Sicherheitskreise skizzieren ein Szenario, in dem sogar Wohnmobile und Waffen vorkommen. Es erscheint möglich, dass die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe auch aus der rechtsextremen Szene Berlins unterstützt wurden – schon früh.

Eine Schlüsselfigur ist der Thüringer Neonazi André K., der Ende der 90er Jahre offenbar viel unterwegs war, um Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe zu helfen. Im Februar 1998, da waren die drei gerade abgetaucht, sei André K. nach Berlin gefahren, um einen NPD-Funktionär und eine Frau aus dem braunen Milieu zu treffen, berichten Experten. André K. habe gefragt, ob die beiden vielleicht Anschriften von „Kameraden“ im Ausland wüssten, die Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe aufnehmen könnten. Welche Adressen die Berliner nennen konnten, ist offen. Aber womöglich hatten sie auch etwas anderes zu bieten: Wohnmobile und einen Unterschlupf. Mundlos und Böhnhardt sind bekanntlich zu mehreren Tatorten mit einem Wohnmobil gefahren.

Die mit dem NPD-Funktionär gut bekannte Berliner Frau, die André K. im Februar 1998 besucht haben soll, hätte mit einem Wohnmobil aushelfen können. Und mit einem Versteck auf einem Barackengelände, auf dem mehrere Wohnmobile abgestellt waren. Es sei denkbar, sagen Sicherheitsexperten, dass der mutmaßliche NSU-Unterstützer Holger G. von der Berliner Frau ein Wohnmobil mietete und Mundlos und Böhnhardt zur Verfügung stellte.

Holger G. ist der erste Tatverdächtige aus dem Umfeld der Terrorzelle, der festgenommen wurden. Am 13. November holte ihn die Polizei nahe Hannover ab. Der 37-jährige Mann soll jahrelang den NSU unterstützt haben, unter anderem mit seinem Reisepass und seinem Führerschein. Und es war Holger G., der bei der Beschaffung von Wohnmobilen direkt oder indirekt tätig war, meist in Sachsen. Auf seinen Namen wurde das Wohnmobil gemietet, mit dem Mundlos und Böhnhardt im April 2007 in Heilbronn auftauchten. Dort sollen sie die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen und deren Kollegen lebensgefährlich verletzt haben. Auch auf dem Mietformular des Wohnmobils für den letzten Auftritt von Mundlos und Böhnhardt stand Holger G. In dem Fahrzeug, geparkt im thüringischen Eisenach, erschoss Mundlos am 4. November Böhnhardt. Dann zündete er das Wohnmobil an und tötete sich selbst.

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