Rechter Übergriff : Mügeln: Angeklagter räumt nur Sachbeschädigung ein

Im Prozess gegen einen der mutmaßlichen Täter des Übergriffs auf acht Inder im sächsischen Mügeln will einer der Angeklagten lediglich eine Fensterscheibe zertrümmert haben. Rassistisch geäußert habe er sich aber nicht.

Mügeln
Will keine Parolen gerufen haben: Der 23-jährige Angeklagte vor dem Amtsgericht Oschatz. -Foto: dpa

OschatzIm Prozess um die ausländerfeindlichen Ausschreitungen im August in Mügeln bestreitet der Angeklagte Frank D., rassistische Parolen gerufen zu haben. Der 23-jährige Mügelner räumte zu Verhandlungsbeginn vor dem Amtsgericht Oschatz lediglich ein, mit einem Lichtschachtgitter eine Scheibe im Haus der Pizzeria zertrümmert zu haben, in die sich acht Inder geflüchtet hatten. Dies sei aber eine Kurzschlussreaktion gewesen. Er könne sich im Nachhinein auch nicht erklären, warum er dies getan habe. An jenem Abend seien die Emotionen sehr hoch gekocht. Wörtlich antwortete er auf die Frage, ob er rassistische Parolen gerufen habe: "Nein, definitiv nicht."

Dem Angeklagten werden Sachbeschädigung und Volksverhetzung vorgeworfen. Er soll nicht nur die Scheibe eingeworfen, sondern auch "Ausländer raus!" gerufen haben. In der Verhandlung sollten erstmals acht Zeugen gehört werden, ein Urteil soll noch am selben Tag gesprochen werden.

Bei den Ausschreitungen am Rande des Stadtfestes in Mügeln Mitte August waren alle acht Inder sowie vier Deutsche verletzt worden. Als sie sich in die Pizzeria geflüchtet hatten, warf der Mob dort Scheiben ein. Erst ein Großaufgebot der Polizei konnte die Krawalle beenden. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. In der vergangenen Woche hatte das Amtsgericht Oschatz einen 18-Jährigen wegen dessen Beteiligung an den Ausschreitungen zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig, nachdem die Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichtet hatte. (jvo/ddp)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben