Politik : Rechtschreibung: Der Streit geht weiter

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Im neu aufgeflammten Streit um die Rechtschreibung haben Gegner und Befürworter ein Einschreiten der Politik verlangt. Da es um die "Sprache für das ganze Land" gehe, müsse sich "jetzt endlich der Bundestag mit dem Thema befassen", forderte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Austermann, der die Reform ablehnt. Der Lehrerverband rief die Kultusministerkonferenz auf, unverzüglich politische Verantwortung zu übernehmen. Während sich prominente Literatur-Kritiker und Schriftsteller mit drastischen Worten für die alten Schreibregeln stark machten, wandten sich Sprachwissenschaftler am Freitag gegen eine Abkehr von der Reform.

Auslöser des neuerlichen Rechtschreib-Streits war die Entscheidung der FAZ, zur alten Schreibweise zurückzukehren.

Der CSU-Rechtsexperte Norbert Geis erklärte die Reform in der "Bild"-Zeitung für gescheitert: "So schnell als möglich einstampfen." Austermann sagte, es habe sich gezeigt, "dass sich keine Schriftsprache durchsetzen lässt, bei der Inhalt und Wortlaut nicht in Einklang" stünden. Der FDP-Politiker Jürgen Koppelin sagte, es seien "dringend Korrekturen" erforderlich. Auch der SPD-Abgeordnete Reinhold Robbe meinte: "Unsicherheit und Durcheinander haben Formen angenommen, die eine erneute Debatte dringend notwendig machen."

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki verglich die Reform im Kölner "Express" mit einem "nationalen Unglück. Mitschuldig ist, glaube ich, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt." Die FAZ-Entscheidung sei eine Protestmaßnahme, die er für richtig und wichtig halte. "Ich glaube aber keineswegs, dass jene, die die Verantwortung für diese Katastrophe tragen, fähig und befugt sind, das Ganze wieder in Ordnung zu bringen. Die Trottel und Missetäter haben ihre Unfähigkeit hinreichend bewiesen."

Die Geschäftsführerin der Gesellschaft für Deutsche Sprache, Karin Eichhoff-Cyrus, kritisierte dagegen, FAZ werde mit ihrer Entscheidung zur Verwirrung in der Bevölkerung beitragen. An der Reform müsse aber weiter gearbeitet werden, sagte sie im InfoRadio Berlin-Brandenburg. Der auflagen starke Axel Springer Verlag teilte mit, er wolle an der Reform festhalten.

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