Politik : Rechtsextremismus: Antisemitischer Überfall löst politische Debatte in Italien aus

Werner Raith

Zu einem politischen Schlagabtausch wächst sich die Debatte um den zunehmenden Antisemitismus in Italien aus. Längst ist der eigentliche Vorgang, der jüngste Angriff dreier Skinheads auf einen Religionslehrer jüdischer Herkunft in Verona, in den Hintergrund gerückt: im Zentrum der Polemiken stehen inzwischen vor allem einige rechtsgerichtete Politiker und auch religiöse Kreise, die in ihren Kommentaren wenig Sensibilität gezeigt hatten.

Ins Visier geraten ist neben Politikern der traditionell nahe am Rassismus angesiedelten Liga Nord auch eine Reihe von einflussreichen Katholiken, die den konvertierten Religionslehrer wegen seiner Herkunft regelrecht aus der Schule weggemobbt hatten. Ebenfalls im Kreuzfeuer steht der stellvertretende Vorsitzende der Nationalen Allianz, Maurizio Gasparri: Der stellt seine Website immer wieder für extremistische Initiativen zur Verfügung. Wie etwa der "Reichsversammlung" der rechtsradikalen Forza Nuova, auf der sich auch Skinheads und andere gewaltbereite Gruppen ein Stelldichein geben. In Gasparris Box sind mittlerweile Hunderte von Solidaritätsbekundungen für die Schläger von Verona eingelaufen.

Gasparris Parteivorsitzendem Gianfranco Fini ist derlei höchst unangenehm: Er tut seit Jahren alles, um sich durch moderate Töne vom alten Image des Faschisten zu befreien und sich so eine Einladung nach Israel zu verdienen, mit dem Ziel, international als regierungsfähig anerkannt zu werden. Fini hat daher seinem Vize auferlegt, die Internet-Plattform für Ultrarechte sofort abzustellen - was Gasparri, der über eine beträchtliche Hausmacht innerhalb der Nationalen Allianz verfügt, nur mit deutlichem Widerwillen getan hat.

Der Regierung bereitet das Phänomen des Rechtsradikalismus und des Rassismus zunehmend Sorge. Geheimdienstler sprechen von ausgedehnten Kontakten der italienischen Szene mit der deutschen und österreichischen. Koalitionspolitiker haben die Opposition aufgefordert, ihre oft doppeldeutigen Parolen zu überprüfen, die dem Rassismus Vorschub leisteten.

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