Rechtsextremismus : Armutsforscher: Finanzkrise stärkt rechte Szene

Zwischen der derzeitigen Finanzkrise und der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre bestehen beängstigende Parallelen, meint der Armutsforscher Christoph Butterwegge. Die politischen Folgen damals waren katastrophal. Und heute?

KölnDie Bankenkrise könnte nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Christoph Butterwegge in Deutschland zu einem Erstarken von Rechtsextremismus und Judenfeindlichkeit führen. Er sehe beängstigende Parallelen zur Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 30er Jahre und dem Aufstieg der Nazis, sagte Butterwegge in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

"Natürlich prophezeie ich keine Machtübernahme der Rechtsextremisten nach Art des 30. Januar 1933. Aber es ist schon frappierend, wie ähnlich die Abläufe sind." Damals hätten Bankenpleiten und Börsen-Zusammenbrüche eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst, die ihrerseits Massenarbeitslosigkeit und in Deutschland den kometenhaften Aufstieg der NSDAP nach sich gezogen habe.

"Die Verteilungskämpfe dürften sich verschärfen"

Wie in den 30er Jahren sei auch gegenwärtig eine Verschlechterung des sozialen Klimas zu beobachten, was hauptsächlich denen nütze, die für autoritäre Herrschaftsformen plädieren. Der derzeitige Abschwung werde zunächst zu einem Wiederanstieg der Arbeitslosigkeit führen, was immer ein guter Nährboden für rechte Stimmenfänger sei. "Die Verteilungskämpfe dürften sich enorm verschärfen, wenn der Staat auch nur einen Bruchteil der als Finanzspritzen und Bürgschaften gewährten 480 Milliarden Euro ausgibt. Denn die fehlen ja dann an anderer Stelle."

Die Folge sei eine Legitimationskrise der demokratischen Parteien. Die Politiker seien in den Augen vieler Bürger durch das im "Schweinsgalopp" verabschiedete Rettungspaket diskreditiert, zumal sie bisher jede Aufstockung von Sozialleistungen mit dem Argument abgelehnt hätten, es sei kein Geld da. "Das werden die Rechtsextremisten für sich auszunutzen wissen", sagte Butterwegge.

Ebenso wie zu Beginn der 30er Jahre machten außerdem viele europäische Politiker die USA - insbesondere die Wall Street - für die Finanzkrise verantwortlich. "Von da ist es nur ein kleiner Schritt bis zum Antisemitismus", sagte Butterwegge. "Das eröffnet den Neonazis ungeahnte Möglichkeiten." (ah/dpa)

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