Politik : Rechtsextremismus: BDI-Geschäftsführer über wirtschaftliche Folgen von Fremdenhass

Warum engagiert sich jetzt auch der BDI gegen Rech

Am Sonntag veranstaltet der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) ein Symposium zum Thema "Fremdenfeindlichkeit". Daran nehmen auch die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck, Regierungssprecher Karsten Heye und Berlins Innensenator Werthebach teil. Mit dem Geschäftsführer des BDI, Ludolf von Wartenberg, sprach Holger Stark.

Warum engagiert sich jetzt auch der BDI gegen Rechtsextremismus?

Es kann uns nicht gleichgültig lassen, was auf den Straßen passiert. Es ist jeder angesprochen, der sich als Bürger dieses Staats empfindet. Das ist nicht nur eine Angelegenheit von Schulen und Familien, sondern auch von Betrieben.

Was ist Ihrer Meinung nach zu tun?

Fremdenfeindlichkeit ist kein Phänomen, sondern eine Haltung einzelner Menschen. Wir sollten nicht nur auf die Politik schauen. Die Politik kann das ethische Fundament nicht schaffen. Das müssen die Bürger tun. Wir haben eine gute Verfassung, aber, um mit Richard von Weizsäcker zu sprechen: Sind wir auch in einer guten Verfassung? Das müssen wir uns immer wieder fragen und vor Augen führen.

Sie haben vor dramatischen Auswirkungen auf die Investitionen ausländischer Unternehmen in Deutschland gewarnt. Spüren Sie bereits die Auswirkungen?

Mich alarmiert, dass mindestens 40 Wissenschaftler aus den neuen Bundesländern darauf hingewiesen haben, dass sie mehr und mehr Absagen von ausländischen Wissenschaftlern erhalten, weil sie sich nicht sicher fühlen. Das spricht sich herum. Wir haben gerade gut daran getan, per Green Card Experten anderer Länder einzuladen, bei uns tätig zu werden. Wenn die zu dem Schluss kommen, Deutschland sei fremdenfeindlich, dann ist das nicht einladend. Das wirkt sich aus: Investitionen gehen dorthin, wo das Know-How ist.

Sie haben gefordert, Rechtsextremen zu kündigen. Wie haben Ihre Mitgliedsbetriebe reagiert?

Unternehmen müssen sich klar bekennen. Intoleranz sollte mit Intoleranz beantwortet werden. Wenn durch fremdenfeindliche Äußerungen der Betriebsfrieden gestört wird, ist das Anlass, sich vom Mitarbeiter zu trennen. Ich habe gehört, dass es in Einzelfällen Unverständnis gegeben hat. Persönlich habe ich den Eindruck, diese klare Stellungnahme ist positiv aufgenommen worden.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat vorgeschlagen, ausländische Studenten, die hier ausgebildet wurden, auch arbeiten zu lassen.

Ich finde das sehr gut. Es wird höchste Zeit, dass wir anerkennen, dass Deutschland und ganz Europa ein Einwanderungsland ist. Selbstverständlich sollten wir Studenten, die hier ausgebildet wurden und arbeiten wollen, willkommen heißen. Es ist aber auch ein Ziel, dass solche Fachkräfte in ihr Heimatland zurückgehen und dort mit ihren hier erworbenen Kenntnissen einen Beitrag zum Aufbau des Landes leisten. Das gilt natürlich vor allem für Entwicklungsländer. Gleichzeitig bilden sie auch ein Netzwerk.

Wie machen Sie nach dem Symposium weiter?

Ein guter Beitrag sind beispielsweise Lehrlingsaustausche oder spezielle Begegnungen. Betriebe, in denen Mitarbeitern verschiedenster Nationen arbeiten, leisten den besten pädagogischen Beitrag, indem sie die Zusammenarbeit fördern.

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