Politik : Rechtsextremismus: Greifbare Folgen (Kommentar)

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Türken haben einen Skinhead zusammengeschlagen. Es war ein brutaler Überfall. Sie schlugen mit Knüppeln auf ihn ein. Ausländer verprügeln Rechtsradikale. Verkehrte Welt? Nur auf den ersten Blick. Seit Wochen wird über den Kampf gegen Rassismus, Fremdenhass und Rechtsextremismus diskutiert. An Vorschlägen und Appellen mangelt es nicht. Sie zeigen, dass die Politik endlich aufgewacht ist. Doch die Vorschläge greifen nicht. Was Not tut, sind spürbare Taten. Solange die öffentliche Debatte ohne greifbare Folgen bleibt, darf man sich nicht wundern, dass sich Rechtsextremisten bestätigt fühlen. Und es darf auch niemanden wundern, dass die Opfer selbst zur Tat schreiten, sich wehren und buchstäblich zurückschlagen. Um dies zu verhindern, muss sich aber noch mehr ändern: das Klima in Deutschland. Wenn über Ausländer debattiert wird, dann oft im negativen Sinne. Da ist davon die Rede, die Grenze der Belastbarkeit sei überschritten, da wird in der Einwanderungsdebatte von Ausländern, die uns nützen und jenen, die uns ausnützen, gesprochen. Diese Sprache ist gelinde gesagt unsensibel, zu unsensibel jedenfalls in einer Situation wieder dieser. Sie macht Ausländer zu Menschen zweiter Klasse. Solange Ausländer so behandelt werden, wird es Fremdenfeindlichkeit geben. Am Ende in beide Richtungen: Deutsche gegen Ausländer, Ausländer gegen Deutsche. Erst wenn etwas gegen den Rassismus und - in Sprache und Umgang - mehr für Ausländer getan wird, wird sich auch das Klima ändern.

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