Rechtsextremismus : Halberstadt wird No-Go-Area

Nach dem Überfall auf eine Theatergruppe haben Touristen ihren Besuch in Halberstadt abgesagt. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Böhme bestreitet Versäumnisse im Kampf gegen Rechtsextremismus.

Böhmer
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer.Foto: ddp

HalberstadtNach dem rechtsextremistischen Überfall auf eine Theatergruppe haben Touristengruppen ihren Besuch in Halberstadt abgesagt. Reisegruppen aus Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hätten sich gegen eine Reise nach Halberstadt entschieden, sagte Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) der "Magdeburger Volksstimme". Auch das Kulturforum Hamburg habe eine Kurzreise abgesagt und mit der Hoffnung verbunden, dass sich viele andere ebenso entscheiden.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) wehrte sich gegen Vorwürfe, wonach es größere Versäumnisse seiner Regierung im Kampf gegen den Rechtsextremismus gebe. "Wir nehmen das Problem sehr ernst", sagte Böhmer im Bayerischen Rundfunk. Das Problem sei nicht neu, aber immer wieder aufs Neue ärgerlich.

"Wir geben uns Mühe, gegen rechtsextremistisches Gedankengut möglichst flächendeckend im Land zu argumentieren, weil wir mitbekommen, dass das mit polizeilichen Maßnahmen allein nicht beherrschbar sein wird", betonte der CDU-Politiker. Am Donnerstag werde sich der Landtag in einer aktuellen Debatte mit diesen Dingen beschäftigen, kündigte er an.

Zu dem Vorfall in Halberstadt sagte Böhmer, er habe sich den ausführlichen Bericht vom Innenministerium angehört. Die beteiligten Beamten hätten geschildert, es habe eine ziemliche Aufregung am Ort des Geschehens gegeben. Dabei sei einer der Täter entkommen. Von einem anderen Täter habe die Polizei die Personalien festgestellt und ihn danach zunächst nicht sofort als Vorbestraften erkannt. Nachdem man dies herausgefunden habe, sei dann auch nach dieser Person gefahndet worden. "Also ganz so, wie das in den Medien immer wieder kolportiert wird, hört sich der Bericht der Polizei nicht an", fügte Böhmer hinzu.

Nach der Vernehmung der Zeugen, zu denen neben den Opfern unter anderem auch Taxifahrer gehörten, werde im Umfeld des Hauptverdächtigen ermittelt, sagte ein Polizeisprecher. Der vorbestrafte 22-Jährige sollte erneut vernommen werden. Bislang habe er die Namen seiner Komplizen nicht preisgegeben, hieß es. Möglich ist, dass für Zeugenhinweise auf die Täter eine höhere Belohnung ausgesetzt wird. (mit ddp)

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