Rechtsextremismus : Jeder siebte Teenager ausländerfeindlich

Eine Studie des Innenministeriums zeigt auch: Mehr als fünf Prozent der deutschen Jugendlichen sind in rechtsextremen Gruppen aktiv. Dagegen sind nur zwei bis drei Prozent Mitglied einer Partei.

Katja Reimann

Berlin - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich erschrocken über die hohe Anzahl rechtsextremer Jugendlicher geäußert. Laut einer neuen Studie, die Schäuble am Dienstag in Berlin vorstellte, sind mehr als fünf Prozent der deutschen Jugendlichen in rechtsextremen Kameradschaften oder Organisationen aktiv. Dagegen sind nur zwei bis drei Prozent Mitglied einer politischen Partei.

Die Gewaltstudie, vom Bundesinnenministerium und dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) durchgeführt, belegt zudem eine hohe Ausländerfeindlichkeit unter Jugendlichen. Jeder siebte der befragten 15-Jährigen, rund 14 Prozent, sei „sehr ausländerfeindlich“. Für die Studie wurden 2007 und 2008 deutschlandweit 44 610 Neuntklässler aus allen Schulformen befragt. Schäuble begrüßte, dass erstmals aussagekräftige Zahlen aus dem gesamten Bundesgebiet vorlägen.

Zum Thema Ausländerfeindlichkeit wurden die Jugendlichen gebeten, Aussagen auf einer Skala von „stimmt nicht“ bis „stimmt genau“ zu verorten. 28,3 Prozent bewertete die Aussage „Die in Deutschland lebenden Ausländer sollten ihren Lebensstil besser an den der Deutschen anpassen“ mit „stimmt genau“. Knapp 19 Prozent sprachen sich dafür aus, Ausländer wieder in ihre Heimat zurückzuschicken, sollten Arbeitsplätze in Deutschland knapp werden. Rund vier Prozent der Jugendlichen äußerte sich antisemitisch.

Ausländerfeindliche und antisemitische Einstellungen sind nach dem Ergebnis der Studie bei Jungen weitaus häufiger verbreitet als bei Mädchen. Auch im regionalen Vergleich zeigen sich Unterschiede: So fielen Jugendliche im Osten Deutschlands besonders durch antisemitische, rechtsextreme und ausländerfeindliche Überzeugungen auf. Der Bildungsgrad spielt bei den Antworten eine sehr wichtige Rolle, ebenso, ob die Jugendlichen auf dem Land oder in der Stadt aufgewachsen sind. Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit sind nach der Studie anscheinend in ländlichen Regionen und an Förder- und Hauptschulen stärker verbreitet.

Generell bestätigt die Studie zudem, dass Jugendgewalt in den vergangenen zehn Jahren leicht gesunken oder konstant geblieben ist. So haben etwa Prügeleien an Schulen, nach denen ärztliche Hilfe benötigt wurde, zwischen 1997 und 2007 um 31 Prozent abgenommen. Bei der generellen Gewaltbereitschaft zeigt sich, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger Gewalttaten begehen als gleichaltrige Deutsche. Innenminister Schäuble wies darauf hin, dass auch hier der Bildungsgrad entscheidend sei. Je höher die Bildung bei den Migran tenkindern, desto weniger gewaltbereit sind sie.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, sagte dem Tagesspiegel: „Die Studie ist alarmierend, weil sie einen Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad von Jugendlichen und ihrer Neigung zum Rechtsextremismus und damit zum Antisemitismus widerspiegelt.“ Schäuble forderte intensivere Bemühungen in der Prävention. Dem schloss sich auch der SPD-Innenexperte Sebastian Edathy (SPD) an. Er sagte dem Tagesspiegel, er halte es für problematisch, dass es nicht genügend vernünftig arbeitende Jugendzentren gebe. So bestehe die Gefahr, dass sich Jugendliche eher an rechtsextremen Gruppen orientierten.

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