Politik : Rechtsextremismus: Justiz verspricht schnelles Vorgehen im Fall des Obdachlosenmords

Die Stralsunder Justizbehörden wollen im Fall des mutmaßlichen Haupttäters beim Obdachlosenmord von Ahlbeck zügig vorgehen. Der am Samstag festgenommene 24 Jahre alte Gunnar Doege sollte noch am Montag vernommen werden, wie ein Sprecher der Anklagebehörde mitteilte. Der bundesweit gesuchte Rechtsextremist war der Polizei am Samstag bei einem versuchten Einbruch in der Nähe von Genthin in Sachsen-Anhalt ins Netz gegangen.

Doege ist verdächtigt, mit drei ebenfalls rechtsorientierten und bereits vorher inhaftierten Jugendlichen am 23. Juli im Ostseebad Ahlbeck auf der Insel Usedom einen 51-jährigen Wohnsitzlosen auf brutale Weise erschlagen zu haben. Die drei mutmaßlichen Mittäter Doeges im Alter von 19, 16 und 15 Jahren hatten kurz nach der Tat das Verbrechen gestanden und rechtsextremistische Motive für die Tat angegeben.

In Ostdeutschland kam es unterdessen wieder zu gewalttätigen Übergriffen von Rechtsradikalen. Bei einer Schlägerei zwischen Aussiedlern aus Russland und einer Gruppe Rechter wurden in Delitzsch bei Leipzig drei Personen verletzt. Ein 19-jähriger russischer Spätaussiedler wurde bei der Auseinandersetzung in der Nacht zum Sonntag durch einen Messerstich in den Rücken so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Über die Hintergründe des Vorfalls und den Auslöser der Schlägerei herrschte zunächst Unklarheit. Wie der Sprecher des sächsischen Landeskriminalamtes (LKA), Rico Müller, mitteilte, ermittelt in dem Fall die Sonderkommission Rechtsextremismus.

Bei einer Razzia in der rechtsextremistischen Szene um den Fußballverein SV Waldhof Mannheim stellte die Polizei am Montag Propagandamaterial sicher. Beamte des Staatsschutzes und der Kriminalpolizei kontrollierten vor einem Fußballspiel des Clubs am Abend 60 Personen, von denen 45 der rechten Skinhead-Szene zugeordnet werden. Dabei wurde ein Magazin der rechtsextremistischen NPD/JN sowie andere Schriften dieser Art sichergestellt.

Im Prozess gegen eine Gruppe von 13 Jugendlichen wegen Volksverhetzung und anderer Delikte hat die Staatsanwaltschaft gegen den mutmaßlichen Bandenführer eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren gefordert. Der Ankläger nannte den 19-jährigen, dem er Raub, schwere Körperverletzung und Verwendung von verfassungsfeindlichen Symbolen vorwirft, den "Rädelsführer einer nicht homogenen Schlägertruppe".

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