Politik : Rechtsextremismus: Kleiner Grenzverkehr

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Im Dreiländereck am Bodensee sind Treffen von Rechtsextremisten beinahe an der Tagesordnung. Skinheads und Neonazis nutzen die offenen Grenzen. Lange Zeit profitierten sie von den bürokratischen Hürden für ermittelnde Beamte. Doch die Polizei hat reagiert und überwacht die Region nun gezielt.

In der Vergangenheit war der Polizei immer wieder vorgeworfen worden, auf dem rechten Auge blind zu sein. Nicht vergessen ist der Schock, den Neonazis auslösten, als sie 1985 eine Rohrbombe auf einem Spielplatz zündeten. Im selben Jahr sorgten Neonazis mit einem Aufmarsch und einem Überfall auf Punks für Schlagzeilen. Im Juli 1996 verbot Bayern schließlich die militante Gruppierung "Skinheads Allgäu".

Seit einigen Jahren hat die Polizei ihr Einsatzkonzept geändert. Das Innenministerium hat den Chef der Kemptener Polizeidirektion, Hans-Jürgen Memel, zum Grenzbeauftragten für die Kontakte zu den Nachbarländern Österreich, Schweiz und Liechtenstein ernannt. "Wir haben einen Lageaustausch zwischen den Polizeichefs beschlossen", sagt Memel. Die Szene wird im Allgäu auf bis zu 180 Personen geschätzt. Der Schwerpunkt hat sich vom Ost- ins Westallgäu verlagert. "Die Zahl nimmt eher zu, weil immer jüngere dazu kommen", sagt Kemptens Kripochef Walter Hägele.

Hinzu kommt, dass die international agierende Bewegung der "Hammerskins" großen Einfluss auf die Kahlkopf-Szene in der Schweiz gewinnen konnte. Zu konspirativ veranstalteten Konzerten rechter Bands fahren natürlich auch Glatzköpfe aus den Nachbarländern. Besonders provokativ traten Schweizer Skins am 1. August auf: 100 kahlgeschorene Neonazis störten auf der "Rütli-Wiese" eine Rede von Bundesrat Kaspar Villiger bei der alljährlichen Nationalfeier.

An einem Beispiel macht Hägele deutlich, wie die Kooperation der Polizei mit den Kollegen der Nachbarländer aussieht: Ein Neonazi aus Zürich hatte in Würzburg über das Internet Propagandamaterial bestellt. Die Kollegen dort baten die Kemptener wegen ihrer Verbindungen in die Nachbarländer um Hilfe. Die verschlüsselte Internetadresse konnte "geknackt" werden, und die Ermittler bekamen Einblick in die Kontakte zwischen Züricher und Würzburger Neonazis.

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