Politik : Rechtsextremismus: Lange Haftstrafen für die Mörder Alberto Adrianos

Eberhard Löblich

Die Mörder des 39-jährigen Mosambikaners Alberto Adriano sind vom Oberlandesgericht Sachsen-Anhalt in Halle zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Der erste Strafsenat des Gerichts schickte die beiden 16-jährigen Schulabbrecher Frank M. und Christian R. wegen gemeinschaftlichen Mordes für neun Jahre in Jugendhaft, der 24-jährige Enrico H. aus Bad Liebenwerda erhielt eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Die Angeklagten verfolgten die Urteilsverkündung vollkommen teilnahmslos. Der Vorsitzende Richter Albrecht Hennig sprach in der Urteilsbegründung von Besorgnis erregenden Anzeichen für Rassismus in Ostdeutschland.

28 Ausländer seien in diesen Jahren von rechtsextremen Gewalttätern getötet worden, sagte Hennig. In den neuen Ländern sei für einen Ausländer die Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden, ungleich höher als in den alten Ländern. Der Mord an Alberto Adriano sei nur der bisherige Schluss einer Kette von Gewalt gewesen, die endlich beendet werden müsse. Hennig bezeichnete die brutale Gewalttat als "Ausdruck einer diesem Staat gegenüber grundfeindlichen Haltung".

Die drei Skinheads hatten in der Nacht zum 11. Juni einander zufällig kennen gelernt und waren anschließend in der Dessauer Innenstadt ebenso zufällig auf Adriano gestoßen, der sich nach einem Besuch bei Freunden auf dem Heimweg befand. Nach einem kurzen Wortwechsel schlugen die drei auf den 39-jährigen Familienvater ein, anschließend traktierten sie ihr Opfer mit Tritten gegen Körper und Kopf. Um den Mosambikaner zusätzlich zu demütigen, zogen sie ihn splitternackt aus und versteckten seine Kleidung im angrenzenden Park. Adriano verstarb drei Tage später an seinen schweren Hirn- und Schädelverletzungen. Hennig zeichnete die Vorgeschichte der Tat nach und zitierte dabei auch aus verbotenen Liedern verschiedener Skinheadbands. Schallplatten dieser Bands waren nach der Tat bei den Mördern beschlagnahmt worden. Das Gericht zeigte sich davon überzeugt, dass die drei Skinheads beim Tatverlauf die Hemmschwelle zur Tötung eines Menschen überschritten hätten und sie die Tötung ihres Opfers bewusst in Kauf nahmen. "Der Strafsenat kommt daher zu dem Ergebnis, dass alle Angeklagten den Tod ihres so misshandelten Opfers billigend in Kauf genommen haben, und zwar aus Ausländerhass, wegen seiner Rasse und Hautfarbe, was einen niedrigen Beweggrund im Sinne des Mordparagrafen darstellt", sagte Hennig. Eine mögliche Schuldminderung lag nach Ansicht des Gerichts bei keinem der drei Täter vor.

Unterdessen gibt es nach Einschätzung von Bundeskanzler Gerhard Schröder Hinweise darauf, dass genügend Material für einen Antrag auf Verbot der rechtsextremen NPD zusammengetragen wird. Der Kanzler will Adriano an diesem Donnerstag mit einer Kranzniederlegung ehren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben