Politik : Rechtsextremismus: Nach Anschlag fordert Zentralrat Zeichen der Solidarität

Ein Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge hat am zehnten Jahrestag der deutschen Einheit Entsetzen in Deutschland ausgelöst. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, stellte den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden in Deutschland in Frage. Angesichts der Anschläge auf Synagogen und der geringen Beteiligung an Demonstrationen gegen Rechts sei die Frage "erlaubt und sogar berechtigt, ob es richtig war und ist, jüdische Gemeinden in Deutschland wieder aufzubauen", sagte er am Dienstag am Rand der Einheitsfeiern in Dresden. Auch die KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar wurde in der Nacht zum Dienstag geschändet. Politiker und Kirchenvertreter reagierten bestürzt.

Nach Informationen des Kölner "Express" wurde Spiegel bereits vor einer Woche mit einer Bombenattrappe bedroht. In Spiegels Düsseldorfer Büro sei ein Päckchen mit einer Bombenattrappe eingegangen. Die Polizei bestätigte dies.

In Düsseldorf warfen vermutlich mehrere Täter am Montag kurz vor Mitternacht einen oder mehrere Molotowcocktails auf die Synagoge. Einer der Brandsätze konnte von einer 31-jährigen Frau ausgetreten werden. Wenige Stunden später wurden zwei 15 und 16 Jahre alte Jugendliche festgenommen. Inzwischen stehen sie jedoch nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht mehr unter Tatverdacht.

Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar wurde in der Nacht zum Einheits-Tag mit Hakenkreuz-Schmierereien und Steinwürfen geschändet. Unbekannte hatten zwei Pflastersteine gegen ein Fenster des Ausstellungsgebäudes an der Gedenkstätte geworfen. Dabei sei das Sicherheitsglas beschädigt worden, sagte ein Polizeisprecher. Zudem seien drei Hakenkreuze mit weißer Farbe auf Tafeln und einen Gedenkstein an Zufahrtswegen gesprüht worden.

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