Rechtsextremismus : NPD-Spitze auf Bewährung verurteilt

Grimmige Gesichter bei NPD- Chef Udo Voigt und zwei weiteren Funktionären: Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten hat am Freitag die drei Rechtsextremisten wegen eines rassistischen Planers zur Fußball-WM 2006 hart bestraft.

Frank Jansen

Berlin - Voigt und der Pressesprecher der NPD, Klaus Beier, erhielten je sieben Monate Haft auf Bewährung, der bereits früher einschlägig aufgefallene Vorständler Frank Schwerdt bekam zehn Monate, auch auf Bewährung. Die Angeklagten seien der gemeinschaftlich begangenen Beleidigung des dunkelhäutigen Fußballspielers Patrick Owomoyela und der Volksverhetzung schuldig, urteilte Richterin Monika Pelcz. Die Bewährungszeit setzte die Richterin auf drei Jahre fest. Die Angeklagten müssen außerdem je 2000 Euro an Unicef Deutschland zahlen.

Owomoyela sei wegen seiner Hautfarbe „diffamiert, herabgesetzt und in seiner Ehre verletzt worden“, sagte Pelcz. Sie sieht es als erwiesen an, dass in dem WM-Planer der NPD mit der Parole „Weiß – Nicht nur eine Trikotfarbe! Für eine echte NATIONALmannschaft!“ die abgebildete, verfremdete Spielerfigur mit der Nummer 25 „zweifelsfrei“ Owomoyela darstellen sollte. Dies hatten die Angeklagten und ihre Anwälte vehement bestritten. Die Nummer 25 war in der Nationalmannschaft Owomoyela zugeordnet. Ihm werde in dem WM-Planer „allein aufgrund seiner Hautfarbe die Tauglichkeit als Nationalspieler abgesprochen“, hielt die Richterin den Angeklagten vor. Die Darstellung stelle „einen Angriff auf die Menschenwürde dar“ und sei geeignet, den inneren Frieden zu zerstören, weil gegen Teile der Bevölkerung wegen ihrer Hautfarbe „zu Willkürmaßnahmen aufgefordert wird“. Owomoyela und der DFB hatten sich gegen den Planer gewehrt, die Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmten etwa 70 000 Exemplare.

Von einem weiteren Vorwurf der Volksverhetzung sprach die Richterin die Angeklagten frei. Die NPD hatte einen zweiten WM-Planer produziert, in dem in Form von Piktogrammen zehn farbige Fußballer und ein weißer gezeigt wurden – kombiniert mit der Frage „Nationalelf 2010?“. In diesem Planer werden keine erkennbaren Personen dargestellt, deshalb lasse er eine eindeutige Auslegung nicht zu, sagte Pelcz. Die NPD-Funktionäre wollen in Berufung gehen. Voigt nannte das Urteil „absurd und eine Farce“. Frank Jansen

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