Politik : Rechtsextremismus und die Terroristen: Im Ungeist vereint

Frank Jansen

Der Auftritt überrascht: Osama bin Laden meldet sich in Wien zu Wort. "Ich teile meinen geliebten Brüdern die gute Nachricht mit, dass wir fest entschlossen nach dem Vorbild des Propheten - Friede sei mit ihm - den Weg des Jihad gehen werden, mit den gläubigen Helden, dem Volk Afghanistans unter dem Kommando unseres Führers, des Krieger Mullah Mohammed Omar", ist im Internet auf der Homepage der "Wiener Nachrichten Online" zu lesen. Und: "Wir bitten Allah, uns über die Ungläubigen und Unterdrücker der Moslems siegen zu lassen und die neue jüdisch-christliche Kreuzzugs-Kampagne gegen Pakistan und Afghanistan abzuwehren." Am Ende des Aufrufs steht die krakelige Unterschrift des Terroristenführers, "Euer Bruder in Islam, Osama bin Muhammed bin-Laden". Die Botschaft stammt vom 24. September und erschien ziemlich schnell auf der website. Eine makabre Premiere: Rechtsextremisten bekunden nicht nur Sympathie für islamistischen Terror, sie ernennen sich auch selbst zum Sprachrohr.

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Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Über die "Wiener Nachrichten Online (wno)" wird, trotz des harmlos klingenden Namens, vor allem rechtsextreme Propaganda verbreitet. Der Betrachter kann allerdings auch auf eine wehende Palästina-Fahne klicken und landet bei der palästinensischen Islamisten-Vereinigung Hamas, die für zahlreiche Selbstmordattentate verantwortlich ist. Der nächste Flaggen-Link führt zur Hompepage tschetschenischer Rebellen. Gemeinsamer Nenner ist vor allem der Hass auf Juden. Wegen der Agitation habe die Polizei mehrere Anzeigen geschrieben, sagt der Sprecher des österreichischen Innenministeriums, Rudolf Gollia. Doch die Staatsanwaltschaft habe alle Ermittlungen eingestellt. Die Frage, ob das FPÖ-geführte Justizministerium die Anklagebehörde blockiert, beantwortet Gollia nicht.

Inhaber der Adresse www.wno.org ist ein Walter Zetthofer. Laut Gollia wird dem Rechtsextremisten, Jahrgang 1938, nicht unbedingt zugetraut, mit Islamisten wie bin Laden in Verbindung zu stehen. Es sei aber nicht auszuschließen, dass Zetthofer den Schweizer Ahmed Huber bei dessen Auftritten in Österreich getroffen habe. Huber beschreiben die Sicherheitsbehörden in Österreich, der Schweiz und Deutschland als Sonderfall: Der 74-Jährige sei Rechtsextremist, Holocaust-Leugner und seit den 60er Jahren bekennender Muslim. Mit Kontakten zur NPD und möglicherweise auch zu Hamas und bin Ladens Terrortruppe Al Qaida.

Schweizer Zeitungen berichten, Huber habe nach eigenen Angaben in Beirut bin Ladens Kader getroffen und sie als "sehr diskrete, gebildete, hochintelligente Leute" beschrieben. Huber sitzt außerdem im Verwaltungsrat eines Finanzdienstleisters, der bis vor etwa einem Jahr den Namen "Al Taqwa" führte, zu deutsch: "Gottesfurcht". Die Firma mit Sitz in Lugano habe geschäftliche Beziehungen zu einer gleichnamigen Bank auf den Bahamas unterhalten, sagt das Finanzministerium in Bern. Der Schweizer Islamexperte Richard Labévière ordnet die "Bank Al Taqwa Ltd." der Muslimbruderschaft zu. Die Vereinigung ist in mehreren arabischen Ländern aktiv und gilt als Mutterorganisation der Hamas. Letztere ist laut Sicherheitsexperten mit bin Laden verbündet.

Die Schweizer Behörden hatten Huber und die "Al Taqwa" in Lugano mehrmals im Visier. Zuletzt nach den Anschlägen in den USA. "Derzeit" gebe es jedoch keine Anzeichen für "strafrechtlich relevantes Verhalten", sagt die Bundesanwaltschaft in Bern. Das Finanzministerium mit seiner "Kontrollstelle für Geldwäscherei" macht allerdings weitere "Abklärungen". Huber selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Sollten er und "Al Taqwa" mit bin Ladens Netzwerk verwoben sein, stünden auch Hubers Kontakte zu Revisionistenszene und NPD in einem anderen Licht. Strebt der Schweizer Muslim eine Aktionsgemeinschaft von Islamisten und Neonazis an? Ein möglicher Versuch ist allerdings gescheitert. In Beirut wollte Huber im letzten Frühjahr an einem Kongress von Holocaust-Leugnern teilnehmen. Zusammen mit NPD-Anwalt Horst Mahler und anderen, einschlägig bekannten Szenefiguren. Doch die libanesische Regierung unterband das Treffen.

Einfluss nehmen könnte Huber auch auf andere Weise. Zum Beispiel über Spenden. Fließt via Huber Geld islamistischer Gruppen an die NPD? "Eine interessante Arbeitstheorie", sagen Sicherheitsexperten. Jedenfalls schließt NPD-Sprecher Klaus Beier nicht aus, dass eine der Spenden für den Berliner Wahlkampf von Ahmed Huber stammt.

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