Politik : Rechtsextremismus: Ungutes Gefühl, richtiges Zeichen (Kommentar)

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Ein Hartes Urteil. Ein Mal lebenslänglich, zwei Mal neun Jahre für zwei 16-Jährige. Der erste Impuls sagt: Es ist ein richtiges Urteil. Und vor allem: Es kommt, ganz anders als in dem Guben-Prozess, schnell. Wenn man hofft, dass solche Prozesse die rechte, gewalttätige Szene beeindrucken können, dann ist genau das wichtig. Nämlich nicht erst Monate verstreichen zu lassen, sondern klar zu zeigen, dass die Strafe rasch folgt. Der zweite Gedanke lautet: Wenn Alberto Adriano ein halbes Jahr früher erschlagen worden wäre, dann wäre der Prozess wohl noch nicht zu Ende. Und die Urteile würden milder ausfallen. Damals wurde rechte Gewalt eher für ein missliches Übel gehalten, gegen das man kein Mittel fand - und nicht für einen Skandal wie derzeit. Folgt die Justiz also dem gesellschaftlichen Stimmungswandel? Daher rührt das ungute, zweite Gefühl. Doch es geht noch um etwas anderes, Wesentliches: die Pflicht, potenzielle Opfer zu schützen. Tempo und Härte dieses Urteils werden vielleicht abschrecken, Gewalt verhindern. Auch das ist die Aufgabe von Justiz. Gerade weil die Opfer rechter Gewalt viel zu lange im Schatten des Interesses standen.

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