Ein Jahr nach Entdeckung des NSU : Henkel ruft zum Kampf gegen Rechts auf

Ein Jahr nach dem Bekanntwerden der NSU-Mordserie hat Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) den Kampf gegen rechtsextremistische Gewalt als „nationale Aufgabe“ bewertet. Die Terrorserie habe das Land in den Grundfesten erschüttert.

von
Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) betrachtet den Kampf gegen rechtsextremistische Gewalt als „nationale Aufgabe“.
Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) betrachtet den Kampf gegen rechtsextremistische Gewalt als „nationale Aufgabe“.Foto: dpa

Es müsse dafür gesorgt werden, „dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen“, sagte Henkel am Freitag. „Auf entsetzlichste Weise wurde uns vor Augen geführt, dass wir jahrelang blind waren für einen Terror, der in unserer Mitte gewütet hat.“

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) forderte einen Mentalitätswechsel bei den Sicherheitsbehörden. „Ich glaube, dass wir wesentlich stärkere Sensibilität bei Polizei und Verfassungsschutz im Umgang mit Rechtsextremismus brauchen“, sagte Stahlknecht dem Tagesspiegel. Angesichts mangelnder Sensibilität hätten es die Behörden versäumt, Hinweisen nachzugehen, die zu einer frühen Ergreifung des NSU hätten führen können. Stahlknecht wandte sich jedoch gegen Vorschläge, den Verfassungsschutz aufzulösen. „Wenn man den Nachrichtendienst auflöst, bricht ein Baustein der Sicherheitsarchitektur komplett weg“, warnte der Minister. Andererseits könne es „nicht so bleiben, wie es ist“. Das Personal sei „in den Köpfen noch stark vom Kalten Krieg geprägt, doch wir brauchen dringend mehr Transparenz und Kommunikation“, sagte Stahlknecht.

Die Spur der Neonazi-Mörder
November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht sich die Bundesrepublik erstmals seit der Wiedervereinigung mit rechtsextremem Terror in größerem Ausmaß konfrontiert. Schnell ist die Rede vom Jenaer Neonazi-Trio um Beate Z. (36), Uwe B. (34) und Uwe M. (38). Ihre Spur lässt sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 53Foto: dapd
20.03.2013 13:59November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht...

Auch Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) ist dagegen, den Verfassungsschutz abzuschaffen. Die Frage müsse beantwortet werden, ob bei der Suche nach dem Trio „neben dem persönlichen Versagen Einzelner auch Defizite bei Strukturen und Organisation eine Rolle gespielt haben“. Wer aber „Behörden auflösen will, tut dies ohne überzeugende Argumente“. Er sehe zum Verfassungsschutz keine Alternative, auch wenn Grünen-Fraktionschefin Renate Künast eine Neugründung verlange.

Am 4. November jährt sich die Aufdeckung der NSU-Morde zum ersten Mal. Der Tagesspiegel berichtet am Sonntag in der gedruckten Ausgabe mit einer Sonderseite.

Ermordet aus reinem Hass - Die Opfer des NSU
Enver Şimşek, wird am 9.September 2000 von acht Schüssen getroffen. Der Besitzer eines Blumengroßhandels in Schlüchtern, Südhessen, war das erste Opfer der rassistisch motivierten Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). An jenem Tag fiel ein Mitarbeiter aus, der normalerweise seinen Blumenstand an einer Ausfallstraße nahe Nürnberg betreute. Şimşek fährt selbst nach Nürnberg und wird dort von den Tätern angeschossen. Es dauert noch zwei Tage, bis er in einem Krankenhaus am 11.September 2000 im Alter von 38 Jahren den Schusswunden erliegt. Der Fall wird von der Bundesregierung erst 2012 als rassistisch motivierte Straftat anerkannt. Zu Beginn wurde auch gegen die Frau und Verwandte des Mannes ermittelt. Die Polizei verdächtigte den Getöteten des Drogenhandels.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: dpa
04.07.2012 15:04Enver Şimşek, wird am 9.September 2000 von acht Schüssen getroffen. Der Besitzer eines Blumengroßhandels in Schlüchtern,...

19 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben