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Rechtsextremismus : Gewaltbereite Neonazi-Szene wächst

In der rechten Szene verstärken sich militante Tendenzen. Während die zerstrittene NPD bei 6600 Mitgliedern stagniert, wächst das Spektrum der gewaltbereiten Rechtsextremisten auf knapp 10.000.

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Waffenfund in Jena, Archivbild von 1998.
Waffenfund in Jena, Archivbild von 1998.Foto: dpa

Das Spektrum der gewaltorientierten Rechtsextremisten ist in diesem Jahr um 300 Personen auf 9800 gewachsen, erfuhr der Tagesspiegel aus Sicherheitskreisen. Das sei beunruhigend, auch wenn es keine Hinweise auf  weitere Terrorzellen nach dem Muster der drei Jenaer Neonazis gebe, sagten Experten. Die Gesamtzahl der gewaltorientierten Rechtsextremisten haben die Fachleute addiert aus einschlägig auftretenden Mitgliedern der NPD, auffällig militanten Anhängern der Szene der unorganisierten Neonazis sowie aus den subkulturellen Milieus. Dabei handelt es sich um traditionell gewaltbereite Skinheads und andere, weniger ideologiefeste Rechtsextremisten.

Teile der rechten Szene seien außerdem „zunehmend neonationalsozialistisch politisiert und aktionistisch“, hieß es. So ist das Wachstum der  in Kameradschaften und als lose Gruppierungen namens „Freie Kräfte“ und als „Autonome Nationalisten“ organisierten Neonaziszene offenbar nicht zu stoppen. In diesem Jahr stellten Sicherheitsexperten eine Zunahme auf knapp 6000 Personen fest. Im Vorjahr waren es 5600, nach 5000 im Jahr 2009 und 4800 im Jahr 2008. 

Diese Entwicklung gehe zulasten der NPD und der subkulturellen Szene, hieß es. Die NPD stagniere bei 6600 Mitgliedern. Die Partei sei zerstritten und habe vom Siechtum der DVU kaum profitiert. Im Juni 2010 hatten die damaligen Vorsitzenden von NPD und DVU, Udo Voigt und Matthias Faust, die „Verschmelzung" der Parteien verkündet. Die Fusion konnte jedoch wegen rechtlicher Probleme nicht vollzogen werden. Die DVU schrumpfte dennoch in diesem Jahr zur Restgröße und zählte nur noch 1000 Mitglieder. Im Jahr 2010 waren es noch 3000 gewesen.

Die Spur der Neonazi-Mörder
November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht sich die Bundesrepublik erstmals seit der Wiedervereinigung mit rechtsextremem Terror in größerem Ausmaß konfrontiert. Schnell ist die Rede vom Jenaer Neonazi-Trio um Beate Z. (36), Uwe B. (34) und Uwe M. (38). Ihre Spur lässt sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen.Weitere Bilder anzeigen
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Die subkulturelle Szene wird schwächer, weil  einem Teil ihrer Anhänger der Lifestyle mit Krawallmusik und reichlich Alkohol inzwischen weniger attraktiv erscheint. Es gebe zunehmend Wechsel zum Spektrum der ideologisch geprägten Neonazis, sagten Sicherheitsexperten. Die subkulturellen Milieus werden demnach auf nur  noch 7700 Personen taxiert. Im vergangenen Jahr waren es noch 8300, davor sogar 9000.

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