Tödlicher Hass : 149 Todesopfer rechter Gewalt
von , und Heike Kleffner,Toralf Staud

2004

Der 27-jährige russische Spätaussiedler Oleg Valger wird am 20. Januar 2004 in Gera (Thüringen) nach einem gemeinsamen Trinkgelage mit vier rechten Jugendlichen getötet. Nach einem Streit haben die 14- bis 19-Jährigen den ihnen aus der Nachbarschaft in einer Plattenbausiedlung bekannten Spätaussiedler in ein Wäldchen gelockt und verletzen ihn tödlich mit Tritten, Messerstichen und Hammerschlägen. Nach dem Tod Valgers sagt einer der Täter: "Wenigstens eine Russensau weniger." Das Landgericht Gera spricht von einer menschenverachtenden Gesinnung, die in der Tat zum Ausdruck komme, erkennt aber keinen fremdenfeindlichen Hintergrund. Im Juli 2004 werden die Haupttäter wegen Mordes zu Jugendstrafen von neun und zehn Jahren verurteilt.

In Burg (Sachsen-Anhalt) wird am 30. Januar 2004 der 46-jährige Martin Görges von fünf jungen Männern aus der rechten Szene getötet. Die 16 bis 22-Jährigen geben bei der Polizei an, sie hätten ihr Opfer angegriffen, weil er ein „Kinderschänder“ gewesen sei. Ihr Opfer haben sie bei einer Tanzveranstaltung kennen gelernt. Zunächst will einer der jungen Männer aus der Clique verhindern, dass seine Mutter mit dem „Asozialen“ tanzt. Dann erfährt die Clique, dass der wohnungslose Görges wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Haft gesessen hatte. Die Rechtsextremisten schlagen Görges vor der Diskothek zusammen und lassen ihn schwer verletzt zurück. Einige Zeit später kommen die Täter wieder und töten ihr Opfer durch einen „Bordsteinkick“ – sie zertrümmern seinen Hinterkopf mit Fußtritten auf einer Bordsteinkante. Vor Gericht geben sie den Film „American History X“ über einen US-amerikanischen Neonazi als Vorbild an. Die Täter erhalten Jugendstrafen zwischen drei und sieben Jahren. Das Landgericht Stendal stellte im Urteil fest, die Tatsache, dass es sich bei dem Opfer um einen „Kinderschänder“ gehandelt habe, sei „Motivation und Rechtfertigung“ für den tödlichen Angriff gewesen.

In Rostock wird am 25. Februar 2004 der 25 Jahre alte Dönerladen-Aushilfsverkäufer Mehmet Turgut von den Rechtsterroristen des NSU ermordet. Der Türke war erst zehn Tage in Deutschland.
Von der Bundesregierung wird der Fall im Februar 2012 genannt.

Todesopfer rechter Gewalt von 1990 bis 2009:

1990 - 1991 - 1992 - 1993 - 1994 - 1995 - 1996 - 1997 - 1998 - 1999

2000 - 2001 - 2002 - 2003 - 2004 - 2005 - 2006 - 2007 - 2008 - 2009

2010

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