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Tödlicher Hass : 149 Todesopfer rechter Gewalt
Heike Kleffner Toralf Staud

2010

Kamal Kilade wird am 24. Oktober 2010 von zwei Neonazis am Leipziger Bahnhof zusammengeschlagen, mit Pfefferspray besprüht und anschließend erstochen.
Der Rechtsextremist Daniel K. (29) hatte nach einer nächtlichen Sauftour mit Marcus E. (33) den 19-jährigen Iraker wahllos nahe dem Leipziger Bahnhof mit Faustschlägen und Pfefferspray attackiert. Kilade wehrte sich, da stach E. dem Iraker mit einem Klappmesser in den Bauch. Noch in der Nacht starb Kilade im Universitätsklinikum. Die Kammer bescheinigte E. einen Tötungsvorsatz und das Mordmerkmal des niederen Beweggrundes. Der Angeklagte habe zugestochen, da sich sein „Kamerad“ im Kampf mit einem Ausländer befunden habe. Für E. hätte der Ausländer damit „sein Leben verwirkt“, sagte der Richter.
Die Staatsanwaltschaft hatte auf Totschlag plädiert und kein ausländerfeindliches Motiv erkennen können. Das Gericht betonte jedoch in seinem Urteil die rassistische Tatmotivation. „Das Leben von Kamal Kilade wurde sinnlos ausgelöscht“, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung. Die 1. Strafkammer des Landgerichts Leipzig verhängte im Juli 2011 gegen den Haupttäter 13 Jahre Haft wegen ausländerfeindlich motivierten Mordes. Außerdem stuften die Richter den 33-jährigen, vielfach vorbestraften Neonazi mit dem tätowierten Schädel als so gefährlich ein, dass er anschließend in Sicherungsverwahrung kommen soll. Der Mitangeklagte, bekam drei Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung und wird angesichts seiner Alkoholprobleme in einer Entziehungsanstalt untergebracht.
Kilades Mutter konnte nicht zur Urteilsverkündung kommen, da sie beim Plädoyer der Staatsanwältin einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte und ins Krankenhaus gebracht werden musste. Dieser Fall wird von der Bundesregierung im Jahr 2012 genannt.

An die Schicksale der Toten erinnert auch die Wanderausstellung "Opfer rechter Gewalt" www.opfer-rechter-gewalt.de des Vereins Opferperspektive aus Brandenburg.

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