Rechtsstreit : Zeitungen wollen Fotos von Christian Klar zeigen

Christian Klar pocht auf sein Recht am eigenen Bild und hat einstweilige Verfügungen gegen die Zeitungen erwirkt, die ein Foto von ihm vor dem Berliner Ensemble zeigen. Die "B.Z." legte Widerspruch ein. Ist Christian Klar eine Person der Zeitgeschichte?

BerlinDie Berliner Tageszeitung "B.Z." hat gegen eine vom früheren RAF-Terroristen Christian Klar beim Berliner Landgericht erwirkte einstweilige Verfügung Widerspruch eingelegt. Das teilte die Zeitung am Mittwoch mit. Dabei geht es um die Veröffentlichung von Fotos, die Klar vor dem Berliner Ensemble (BE) zeigen, wo er nach seiner Haftentlassung ursprünglich ein Praktikum antreten wollte. Das Foto wurde einen Tag später auch von der "Bild"-Zeitung veröffentlicht, die ebenfalls Widerspruch gegen eine entsprechende einstweilige Verfügung einlegen wird, wie ein Sprecher der Axel Springer AG sagte.

Klar macht sein Recht am eigenen Bilde geltend. Die "B.Z." sagte dazu am Mittwoch, sie habe "bei ihrer Abwägung dem Berichterstattungsinteresse der Öffentlichkeit und damit der Pressefreiheit den Vorrang gegenüber dem Resozialisierungsinteresse von Christian Klar eingeräumt". Das Foto zeige "ein zeitgeschichtliches Ereignis: Klar verlässt das Berliner Ensemble - ein hoch subventioniertes Theater, das im intellektuellen Haushalt der Republik eine bedeutende Rolle spielt. Das ist das Besondere, das darf man dokumentieren."

Unterstützung für "B.Z." von Publizisten und Politikern

Klar hatte die Absage seines Praktikums laut Berliner Ensemble mit der Befürchtung begründet, dass durch die "sensationslüsterne Berichterstattung" in einem Teil der Medien und die "anhaltende Belagerung" durch Paparazzi das Theater, dessen Direktor Claus Peymann und er selbst Schaden nehmen könnten.

Die "B.Z." erhielt unterdessen Unterstützung für ihre Haltung von Publizisten, Politikern und Chefredakteuren, die sie am Mittwoch mit Stellungnahmen zitierte. Der Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbandes, Hendrik Zörner, meinte, selbstverständlich müsse Klar die Möglichkeit zur Resozialisierung haben und er habe auch ein Recht auf ein Privatleben. "Aber er ist eine Person der Zeitgeschichte. Deshalb müssen die Medien Fotos veröffentlichen dürfen, die ihn in der Öffentlichkeit zeigen." (nis/dpa)

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