Rede an die Nation : Obama kündigt Abzug von 33.000 Soldaten aus Afghanistan an

US-Präsident Barack Obama verspricht in seiner Rede an die Nation, dass bereits in diesem Jahr 10.000 Soldaten vom Hindukusch zurückkehren. Einigen ist die Ankündigung aber zu ambitioniert.

US-Präsident Barack Obama während seiner 13-minütigen Rede an die Nation.
US-Präsident Barack Obama während seiner 13-minütigen Rede an die Nation.Foto: Reuters

US-Präsident Barack Obama wählte die beste Sendezeit, um seinem kriegsmüden Volk die gute Nachricht zu überbringen. Noch in diesem Jahr würden 10.000 Soldaten aus Afghanistan heimkehren, versprach er am Mittwochabend in einer Rede an die Nation. Im Juli werde der Teilabzug beginnen, der insgesamt 33.000 Soldaten bis zum Sommer 2012 umfasst - ein Drittel der aktuellen US-Truppenstärke am Hindukusch. Obamas Generäle hätten sich eine weniger ambitionierte Ansage gewünscht. Zudem liefert der Präsident mit seiner Entscheidung Deutschland und anderen Verbündeten eine Vorlage, nun ebenfalls ein beträchtliches Kontingent aus Afghanistan heimzuholen.

Mit festem Blick in die Fernsehkamera läutete Obama den Anfang vom Ende des seit fast zehn Jahren andauernden Afghanistan-Einsatzes ein und wurde dabei beinahe poetisch. "Heute Abend tröstet uns das Wissen, dass die Flut des Krieges zurückweicht", sagte der Präsident in seiner 13-minütigen Rede. Auch wenn es in Afghanistan noch "dunkle Tage" geben werde, erscheine in der Ferne das "Licht eines sicheren Friedens".

Der Abzug von 33.000 Soldaten entspricht ungefähr der Aufstockung, mit der Obama im Dezember 2009 auf das Wiedererstarken der Taliban-Rebellen reagiert hatte. Damals hatte der Präsident das Land auf eine Offensive gegen die Aufständischen fernab der Heimat eingeschworen, obwohl auch schon damals einer Mehrheit der US-Bevölkerung der Glaube an den Sinn des Einsatzes abhanden gekommen war. Die Erfolge im Kampf gegen die Taliban und das Terrornetzwerk Al Qaida sowie Fortschritte beim Aufbau der einheimischen Sicherheitskräfte würden die Verringerung der US-Präsenz nun erlauben, sagte Obama am Mittwoch. "Unsere Mission wird sich von Kampf zu Unterstützung wandeln." In den vergangenen Wochen hatte der Präsident von seinen Beratern verschiedene Optionen vorgelegt bekommen, einige kalkulierten nur mit einem Abzug von rund 5000 Soldaten in diesem Jahr. Vor allem der scheidende Verteidigungsminister Robert Gates hatte vor einem überhasteten Rückzug gewarnt, stellte sich am Mittwoch aber hinter seinen Commander-in-Chief. Die US-Armee habe "ausreichend Ressourcen, Zeit und Flexibilität", um die Aufgabe zu einem "erfolgreichen Ende" zu bringen, erklärte er. Militärexperten erwarten, dass der Abzug von 10.000 Soldaten in den kommenden Monaten die Lage nicht dramatisch beeinflussen wird.

Anders die Reduzierung im kommenden Jahr: Der Kampf gegen die Taliban werde im Süden und Osten schwieriger werden, meint Danielle Plettka vom Think-Tank American Enterprise Institute. Der pensionierte General David Barno, Experte am Center for a New American Security, nannte es "unerklärlich", dass Obama den Rückzug von 23.000 Soldaten zum "Höhepunkt der Kampfsaison" im Sommer 2012 anordnet.

Doch Obamas Entscheidung war eine Gratwanderung zwischen den Empfehlungen des Pentagons auf der einen und den Erwartungen der Wähler auf der anderen Seite. Die Bevölkerung steht dem Afghanistan-Einsatz, der das Land in Zeiten historischer Haushaltsdefizite jeden Monat fast zehn Milliarden Dollar kostet und bei dem bereits mehr als 1600 US-Soldaten ums Leben kamen, immer ablehnender gegenüber. Die Zielmarke im Sommer kommenden Jahres lässt Obama noch Zeit, seinen Teilabzug vor den Präsidentschaftswahlen im November 2012 als Trumpf auszuspielen.

Als Obama vor eineinhalb Jahren die US-Kräfte in Afghanistan aufstockte, drängte er auch die Verbündeten zu mehr Engagement. Im Umkehrschluss dürften die beteiligten Nato-Staaten nun ihre Truppenstärke überdenken. Deutschland beteiligt sich mit derzeit knapp 5000 Soldaten am Isaf-Einsatz, die Abzugsperspektive ist im aktuellen Mandat schwammig. Erste Bundeswehr-Soldaten könnten ab Ende 2011 zurückkehren, sollte die Lage dies erlauben. Wenn Obama die Nato-Partner im Mai kommenden Jahres zu einem Afghanistan-Gipfel in Chicago empfängt, muss er sich wohl auf deutlich konkretere Abzugspläne einstellen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Absicht der USA begrüßt, bis zum Ende des Sommers kommenden Jahres 33.000 Soldaten aus Afghanistan heimzuholen. "Die Abzugsperspektive wird nun konkreter", erklärte Westerwelle am Donnerstag in Berlin. (AFP/Reuters)

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