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Rede auf Parteitag der Demokraten : Obama verspricht Solidarität und neue Jobs

Längerer Weg, aber besseres Ziel: Vor 20.000 Delegierten hat der Präsident seine mit Spannung erwartete Rede gehalten und seine Vision für eine zweite Amtszeit entfaltet. Herausforderer Romney tat er als Neuling ab.

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Am Ende von Barack Obamas Nominierungsrede skandierten seine rund 20.000 Anhänger wieder minutenlang „Fired up? Ready to go!“  Dieser Schlachtruf von vor vier Jahren war inmitten der schweren Wirtschaftskrise und der Enttäuschung über die Langsamkeit des Wandels völlig verstummt. Ob er bis zur Wahl am 6. November wieder Hallen und Plätze erzittern lässt, bleibt abzuwarten.

Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney liegen in den Umfragen gleich auf, es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Begeisterung und mitreißende Emphase für den schwarzen Präsidentschaftskandidaten von 2008 lassen sich nicht wiederholen. Das liegt zum einen in der Natur der Sache, Obama ist kein Neuling mehr, die Neugier nimmt zwangsläufig ab. Zudem ist die Stimmung im Volk eher Moll.

Trotzdem könnte ihm und seinen Mitstreitern auf diesem Parteitag gelungen sein, was eigentlich gegen alle Regeln der amerikanischen Geschichte verstößt: Dass die Amerikaner ihn trotz hoher Arbeitslosigkeit und schwacher Wirtschaftsaussichten wiederwählen. Bisher wurde – bis auf eine Ausnahme – jeder Präsident aus dem Amt gejagt, der über ein großes Heer von Arbeitslosen regierte.

Der Parteitag der Demokraten in Bildern

„Four more years“ – Parteitag der Demokraten in Charlotte
Die Demokraten haben sich in Charlotte (North Carolina) versammelt, um Barack Obama für eine zweite Amtszeit zu nominieren. Der Parteitag ist besonders optisch ein Fest.Weitere Bilder anzeigen
1 von 23Foto: AFP
06.09.2012 12:04Die Demokraten haben sich in Charlotte (North Carolina) versammelt, um Barack Obama für eine zweite Amtszeit zu nominieren. Der...

Eines jedenfalls lässt sich am Ende der dreitägigen Versammlung sagen: Die Stimmung ist umgeschlagen, die Demokraten sind motiviert und schalten selbstbewusst von Verteidigung auf Angriff um. Plötzlich wird sogar die im Volk immer noch weitgehend unbeliebte Gesundheitsreform wieder in Besitz genommen und laut gefeiert.

Was vor kurzem noch undenkbar gewesen wäre: Stolz sprechen die Demokraten inzwischen selber von „Obamacare“, ein Kampfbegriff, den bislang nur die Republikaner im Munde führten.  „Yes, Obama cares,“ verkündete man selbstbewusst auf dem Parteitag in Charlotte, ja, Obama kümmere und sorge sich.

Parteitagsreden sind keine Spiegelstrichvorträge, schon gar nicht in Amerika. Aber der Druck auf Obama war riesengroß, in Charlotte mehr als blumige Worte und wolkige Aussichten zu liefern. Das hat er getan. Er zeichnete auf, wohin er das Land führen will und was er auf dem Weg vorhat. Er bat zugleich um Geduld und plädierte in dieser oft von kurzfristigem Denken und Handeln besessenen Zeit für eine Politik nachhaltiger Veränderungen.

Video: Obamas Rede auf dem Demokraten-Parteitag

Obama warb für Investitionen in die Bildung, in die Infrastruktur und in die Energieunabhängigkeit Amerikas. Er versprach ein einfacheres und zugleich faireres Steuersystem, eine Million neuer Jobs in der Industrie und den Abbau des horrenden Schuldenbergs um 4 Billionen Dollar. Und unter großem Jubel blieb er bei seiner Forderung, alle Amerikaner, die mehr als 250.000 Dollar im Jahr verdienen, stärker zu besteuern. Angesichts der Not leidenden Staatskassen, sagte der Präsident, sei das gerechter als weitere Lehrer zu entlassen.

Obama stellte dem Romney-Amerika mit weniger Steuern, weniger Staat und weniger Regulierungen sein eigenes Zukunftsmodell entgegen: Eine solidarische Gesellschaft, die in Bildung, Infrastruktur und Energieunabhängigkeit investiere, die auch illegalen Einwanderern eine Chance gebe, den Klimawandel nicht für einen Witz halte und die Sozial- und Gesundheitssysteme so reformiere, dass sie nicht ihren Sinn verlören.

Es gehe bei der Wahl am 6. November um zwei fundamentale Visionen, zwei grundverschiedene Vorstellungen, sagte der Präsident: Um eine Gesellschaft, in der jeder auf sich selber gestellt sei, oder ein Gemeinwesen, in dem alle füreinander einstünden. Um ein Amerika, in dem Staat und Regierung Statisten seien oder eine Rolle als Weichensteller für die Zukunft hätten.

Bilder: Obama gegen Romney - der US-Wahlkampf

Obama vs. Romney - der Wahlkampf in Bildern
Unterstützer des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama in Wisconsin, das als "Swing-State" gilt. Erfahren Sie mehr über die Staaten, in denen sich die Wahl entscheiden soll. Hier geht's lang.Weitere Bilder anzeigen
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05.11.2012 12:03Unterstützer des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama in Wisconsin, das als "Swing-State" gilt. Erfahren Sie mehr über die...

Seinen Anhängern präsentierte sich in Charlotte ein Präsident, der nüchterner, abgeklärter und auch bodenständiger geworden ist. Er sei nicht mehr derselbe wie vor vier Jahren, sagte er. Wie die Zeit, so habe auch er sich verändert. Allerdings hat er auf dieser Wegstrecke auch ein wenig seines ursprünglichen Zaubers verloren. Es trat kein Messias mehr auf, der einst glaubte, nur mit seiner Wahl habe sich die Welt bereits verändert.

Stattdessen sprach ein gewöhnlicher Sterblicher, ein Politiker, der sich in vier harten Jahren zum kühlen Pragmatiker gewandelt hat. Der aber trotz aller Ernüchterung und Enttäuschung immer noch mit großer Überzeugungskraft darlegen kann, warum er – im Vergleich zu seinem Herausforderer Mitt Romney – die bessere Wahl sei und die wundgeschlagene Nation in eine bessere Zukunft führen könne.

„Ihr habt mich gewählt, um euch die Wahrheit zu sagen,“ rief der Präsident. „Und die Wahrheit ist, es wird dauern!“ Und in Anlehnung an einen berühmten Satz von John F. Kennedy sagte er: „Es geht nicht darum, was für uns getan wird, sondern was wir selber tun.“ Nicht er sei der Wandel, sondern der Wandel geschehe allein Dank der Menschen, die ihn wählten. Die Demokraten hatten sich in Charlotte drei Ziele gesetzt: motivieren, erklären und in die Zukunft weisen. Dafür boten sie Dutzende von zum Teil brillanten und mitreißenden Rednern auf. Der Parteitag glich zeitweilig einem Feuerwerk der Rhetorik, was man außerhalb von Amerika nur selten erlebt.

Bis ins letzte Detail stimmten Choreographie und Dramaturgie. Michelle Obama und Vizepräsident Joe Biden, die Obama tagtäglich aus allernächster Nähe sehen, illustrierten seine Persönlichkeit: den liebevollen Vater, den mitfühlenden Präsidenten, den kühlen und kühnen Oberbefehlshaber. Ex-Präsident Bill Clinton legte dar, was in den vergangenen Jahren trotz heftigen Widerstandes der Republikaner politisch schon alles erreicht wurde – und  warum das gut für Amerika sei und man stolz darauf sein könnte. Und Obama wies am Ende seinen Weg in die Zukunft.

Als zweifele er für einen kurzen Moment, ob ihm die Wähler auf diesem Weg folgen werden, mahnte er: „Solltet ihr euch abwenden, wird der Wandel nicht weitergehen.“ – Doch dann brüllten 20.000 begeisterte Menschen: „Four more years!“ Vier weitere Jahre.

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