Rede zur Lage im Irak : Bush kündigt begrenzten Truppenabzug an

Es ist ein zaghafter Einstieg in den Rückzug: US-Präsident Bush hat für die nächsten Monate die Rückkehr einiger Tausend US-Soldaten aus dem Irak angekündigt, seine Landsleute aber auf ein jahrelanges Engagement in dem Land eingestimmt.

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US-Präsident George W. Bush: "Ich möchte von anderen Staaten nichts fordern, wozu sie politisch nicht in der Lage sind." -Foto: AFP

WashingtonBis Juli könnten angesichts von Erfolgen durch die Truppenaufstockung in der ersten Jahreshälfte fünf Kampfbrigaden nach Hause geholt werden, sagte George W. Bush in seiner Rede zu seinem künftigen Irak-Kurs. Eine Brigade besteht aus etwa 4000 Mann.

Bereits zum Jahresende sollen 5700 Soldaten abgezogen werden, sagte Bush. Er folge damit Vorschlägen des US-Oberkommandierenden im Irak, General David Petraeus. Zusammen mit dem US-Botschafter in Bagdad, Ryan Crocker, hatte Petraus Anfang der Woche seinen Fortschrittsbericht über die Lage dem US-Kongress vorgelegt. Der General hatte dabei vorgeschlagen, die 30.000 zusätzlichen Soldaten bis Juli kommenden Jahres wieder abzuziehen. Dadurch würde die Zahl der US-Truppen im Irak wieder rund 130.000 betragen.

Bush selbst nannte aber keine konkrete Gesamtzahl der Soldaten, die er nach Hause holen will. Die Truppenaufstockung sollte die Sicherheitslage verbessern und den irakischen Streitkräften helfen, sagte der Präsident in seiner Rede. "Unser Erfolg beim Erreichen dieser Ziele erlaubt es uns nun, damit zu beginnen, einige unserer Soldaten nach Hause zu holen", erläuterte Bush. Die Lage im Irak habe sich verbessert, man habe wieder die Initiative.

"Engagement über Amtszeit hinaus"

Der Plan einer verringerten US-Präsenz werde von politischen Führern aller Lager im Irak unterstützt, sagte Bush. Zugleich wüssten sie, dass ihr künftiger Erfolg vom politischen, wirtschaftlichen und militärischen Engagement der USA auch über seine Amtszeit hinaus abhänge, betonte der Präsident, der im Januar 2009 das Weiße Haus verlassen wird. Die Vereinigten Staaten seien bereit, eine "dauerhafte Beziehung" aufzubauen, sagte er.

Bush wandte sich auch an die Iraker und verlangte von ihnen zusätzlichen Druck auf die politische Führung des Landes, die Aussöhnung zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden voranzutreiben. Iran und Syrien forderte der US-Präsident erneut auf, die Regierung in Bagdad nicht zu untergraben. Die internationale Gemeinschaft rief Bush zu überdies stärkerem Engagement im Irak auf.

Obama: "Das ist kein Fortschritt"

Die oppositionellen Demokraten kritisierten die Rede Bushs. Der Präsident habe darin seinen verfehlten Kurs der vergangenen Jahre nur bestätigt, sagte der demokratische Senator und Präsidentschaftskandidat Barack Obama. Der geplante Teilabzug sei keine bedeutsame Verringerung der Truppenstärke. Man sei hinterher lediglich auf dem selben Niveau wie vor neun Monaten. "Das ist kein Fortschritt", sagte Obama. Die Aussicht auf ein US-Engagement im Irak mit offenem Ende sei zudem nicht akzeptabel. (mit dpa)

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