Politik : Redegewandt und kampferprobt

Tuareg-Chef Agali vermittelt im Drama um die Sahara-Geiseln

Ralph Schulze[Madrid]

„Wenn es jemand schafft, die 14 Sahara-Geiseln auf friedlichem Wege freizubekommen, dann dieser Mann“, sagen respektvoll Diplomaten in Malis Hauptstadt Bamako. Sie meinen den Tuareg-Chef Iyad Ag Agali, der nun im Auftrag Berlins, Bern und Bamakos die Gefangenen mit diplomatischem Geschick retten soll. Die ersten Kontakte Agalis mit den Terroristen, die irgendwo in Nordmali stattfanden, deuten an, dass es bis zu einer Lösung noch dauert. Bei den Gesprächen über Geld und Sicherheitsgarantien wurde offenbar keine Einigung erzielt.

„Agali weiß fast alles“, sagen Tuareg, die den Norden bevölkern, ehrfürchtig. Der Führer des Nomadenvolkes, dessen Kamelreiter wegen ihrer prachtvollen blauen Turbane und Gewänder auch die „Ritter der Sahara“ genannt werden, kenne quasi jeden Stein in der Sahara zwischen dem Norden Malis und dem Süden Algeriens. Der etwa 45-Jährige sei weise, redegewandt und kampferprobt. Sein Volk nennt ihn den „Löwen der Wüste“. Sein legendärer Ruf rührt vom Aufstand des malischen Tuaregvolkes Anfang der 90er Jahre her, als Agali seine Volksbewegung Azawad in den Kampf gegen die malische Armee führte. Am Friedensschluss mit Malis Regierung 1996 war er maßgeblich als Verhandlungsführer beteiligt.

Seitdem leben seine Tuareg im Norden des Landes weitgehend in Frieden. Malis Regierung hat das unwirtliche Drittel des Landes, in der sich die Sahara breit macht, praktisch sich selbst überlassen. Das Geiseldrama, das die Sicherheitskräfte gleich mehrerer Länder alarmierte, stören Ruhe und auch Geschäfte der Tuareg. Deswegen haben sie ein großes Interesse daran, die Geiselnahme möglichst bald zu einem glücklichen Ende zu bringen.

Wie die malische Tageszeitung „L’Independant“ nun aus Kreisen um Iyad Ag Agali berichtete, fordern die Entführer jetzt Straffreiheit, politisches Asyl und Sicherheitsgarantien im Norden Malis. Laut der Zeitung ist dies eines der Hindernisse in den Verhandlungen, denn Mali wolle kein dauerhafter Zufluchtsort der Terroristen der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC) werden. Offenbar will sich die GSPC, die im Norden Malis mehrere Lager unterhalten soll, auch gegen einen Angriff auf ihre Stützpunkte schützen. Demzufolge werden die Geiseln auch als „lebende Schutzschilde“ gehalten, um Militäraktionen gegen die Lager, in denen sich auch viele „Gotteskrieger“ aus Afghanistan befinden sollen, zu verhindern.

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