Politik : Reden in der Pufferzone

Zwischen den Volksgruppen auf Zypern gibt es neue Gespräche – aber EU-Diplomaten sehen die Erfolgsaussichten skeptisch

Gerd Höhler[Athen]

Erstmals seit über zwei Jahren gibt es wieder direkte Kontakte zwischen den Führern der beiden Volksgruppen auf der geteilten Insel Zypern. Der griechisch-zyprische Präsident Tassos Papadopoulos und der türkisch-zyprische Volksgruppenchef Mehmet Ali Talat kamen am Samstag in der Nähe von Nikosia mit dem stellvertretenden UN-Generalsekretär Ibrahim Gambari zusammen. Ort der Begegnung war die von der Friedenstruppe der Vereinten Nationen kontrollierte Pufferzone, die seit der Teilung der Insel im Sommer 1974 den griechisch besiedelten Süden vom türkisch kontrollierten Norden trennt. Papadopoulos und Talat vereinbarten, die Verhandlungen über eine Wiedervereinigung Zyperns wieder aufzunehmen. Wie Gambari, nach dem dreistündigen Gespräch mitteilte, sollen Ende Juli Expertentreffen beginnen.

Gambari sondiert im Auftrag von UN-Generalsekretär Kofi Annan in Ankara, Athen und Nikosia die Aussichten für die Verhandlungen zwischen den Volksgruppen. Die Gespräche waren im März 2004 zum Stillstand gekommen, nachdem die griechischen Zyprer einen Wiedervereinigungsplan des UN-Generalsekretärs bei einem Referendum ablehnten. Die türkischen Zyprer und die Türkei hatten Annans Lösungsvorschlag, der zwei weitgehend autonome Teilstaaten unter dem Dach einer gemeinsamen Föderation vorsah, dagegen akzeptiert. Nun gehe es darum, „Wege nach vorn zu finden, sagte Gambari vor dem Treffen mit Papadopoulos und Talat.

Zypern ist geteilt, seit die Türkei vor 32 Jahren den Nordteil militärisch besetzte, um eine drohenden Annexion der Insel durch das damals von einer Obristenjunta regierte Griechenland zu verhindern. Jetzt ist es vor allem die Regierung in Ankara, die auf eine Einigung drängt. Denn die ungelöste Zypernfrage überschattet die türkischen EU-Beitrittsverhandlungen. Auch der Zyperntürke Talat befürwortet eine Wiedervereinigung, um die wirtschaftliche Isolation des Nordzyperns zu beenden und seine Volksgruppe in die EU zu führen, der die Zyperngriechen 2004 beitraten.

Weniger klar sind die Absichten des griechisch-zyprischen Präsidenten Papadopoulos. Er führte 2004 die Ablehnungskampagne gegen den Annan-Plan. Seither versichert er zwar immer mal wieder seine Verhandlungsbereitschaft, eigene Vorstellungen zu einer Zypernlösung hat Papadopoulos aber bisher nicht entwickelt. EU-Diplomaten in Nikosia bewerten deshalb die Aussichten der neuen Volksgruppenkontakte eher skeptisch. Papadopoulos habe bisher nicht zu erkennen gegeben, dass er wirklich an einem Kompromiss interessiert sei, meint der Gesandte einer europäischen Botschaft.

Zwar bemüht sich Papadopoulos, die jüngsten Kontakte herunterzuspielen. Dennoch kommt der griechisch-zyprische Präsident unter wachsenden Druck Griechenlands, das als wichtigster Verbündeter Zyperns gilt. Papadopoulos wird am heutigen Sonntagabend zu einem offiziellen Besuch in Athen erwartet. Die dortige Regierung ist an einer Zypernlösung interessiert, um die EU-Beitrittsperspektive der Türkei zu wahren. Davon verspricht man sich bessere Voraussetzungen für eine Lösung der griechisch-türkischen Streitfragen.

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