Referendum : Griechenland hat sich entschieden

Die griechischen Bürger haben am Sonntag über die Zukunft ihres Landes abgestimmt. Beim ersten Referendum seit 1974 konnten sie über die Annahme oder Ablehnung der Sparvorgaben der internationalen Geldgeber abstimmen. Erste Ergebnisse werden gegen 20 Uhr erwartet.

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Junge und alte Griechen stimmten am Sonntag über das Referendum ab, am Sonntagnachmittag lag die Wahlbeteiligung bereits über 40 Prozent.
Junge und alte Griechen stimmten am Sonntag über das Referendum ab, am Sonntagnachmittag lag die Wahlbeteiligung bereits über 40...Foto: AFP

Millionen Griechen haben am Sonntag über die Sparvorgaben der internationalen Geldgeber für das hochverschuldete Land abgestimmt. Bei dem Referendum sollten sie „Ja“ oder „Nein“ sagen zu weiteren Sparmaßnahmen und Reformen, die Voraussetzung für neue Hilfskredite sind. Es war das erste Referendum in Griechenland seit der Abschaffung der Monarchie 1974. Die ersten Ergebnisse wurden gegen 20 Uhr erwartet.

Die Abstimmung galt als Weichenstellung für Griechenlands Zukunft in Europa. Ministerpräsident Alexis Tsipras, der das Referendum erst eine Woche zuvor überraschend angesetzt hatte, forderte die Wähler zu einem „Nein“ auf, weil er sich davon eine Stärkung seiner Verhandlungsposition gegenüber den Geldgebern verspricht. Er bezeichnete bei der Stimmabgabe das Referendum als „Sieg der Demokratie über die Angst“. Man könne den Willen einer Regierung ignorieren, nicht aber den eines Volkes. Kritiker der radikal-linken Regierung fürchten, ein „Nein“ würde auf ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro- Zone und letztlich der EU hinauslaufen.

Bis zuletzt gab es Kritik an dem Referendum. Die wenigsten Wähler dürften die 34 Seiten umfassenden Papiere, um deren Annahme oder Ablehnung es geht, gelesen und verstanden haben. Allerdings ist dieser Vorschlag der Gläubiger ohnehin vom Tisch, nachdem das Rettungsprogramm am vergangenen Dienstag ersatzlos ausgelaufen ist und die noch verfügbaren Hilfsgelder verfallen sind. Die Griechen stimmten also über etwas ab, das so nicht mehr zur Diskussion steht.

Das Referendum markiert den bisherigen Höhepunkt der seit Jahren andauernden Krise in Griechenland. Seit einer Woche sind die Banken des Landes geschlossen. Die Griechen können an den Geldautomaten pro Tag nur 60 Euro abheben. Rentner müssen mit 120 Euro in der Woche auskommen. Die Versorgungslage wird schwieriger. Die Menschen deckten sich in den vergangenen Tagen mit Vorräten ein. Mehl, Reis, Nudeln und Hülsenfrüchte waren vielerorts ausverkauft, ebenso wie H-Milch und Konserven.

In der Bevölkerung machte sich zudem die Angst breit, Bankguthaben könnten gekürzt werden, um Geldhäuser vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Die Regierung bestritt derartige Pläne. Die Banken sollten am Dienstag wieder geöffnet werden, versicherte Finanzminister Yanis Varoufakis. Er fügte allerdings hinzu, dass dazu eine Einigung mit den Geldgebern erforderlich sei.

Italiens Premier Matteo Renzi forderte, die Verhandlungen unabhängig vom Ausgang des Referendums rasch wieder aufzunehmen. „Wir müssen wieder anfangen, miteinander zu sprechen – niemand weiß dies besser als Angela Merkel“, sagte er der Zeitung „Il Messaggero“. Auch der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron forderte, schnell wieder mit den Griechen zu sprechen.

Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone dürfte laut „Handelsblatt“ in den kommenden Jahren Milliardenlöcher in die Haushaltsplanung von Finanzminister Wolfgang Schäuble reißen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann habe in der Kabinettsitzung am Mittwoch vor den Folgen eines „Grexit“ für den Bundesbank-Gewinn und damit auch den Haushalt gewarnt. (mit rtr/AFP)

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