Politik : Reformix von der Saar

Albert Funk

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Länger nichts gehört aus dem Saarland? Dem kleinen, halb gallischen Bundesdorf? Das wird sich ändern. Denn das Saarland hat Großes vor. Allen voran der höchste Saarländer: Ministerpräsident Peter Müller. Der CDU-Mann will ansetzen, wo Roman Herzog aufgehört hat. Nein, nicht Bundespräsident will er werden, Müller will Deutschland den Ruck geben, den Herzog vor Jahren anmahnte – und der laut Müller bis heute nicht zu spüren ist. Daher hat er am Donnerstag in Berlin in seiner Landesvertretung eine neue Imagekampagne vorgestellt, die nichts mit der Saar-Wahl im Herbst 2004 zu tun hat, sondern auf ganz Deutschland zielt, das von Krise und Mutlosigkeit besetzt ist wie einst ganz Gallien von den Römern.

„Alles wartet auf den Aufbruch. Wir fangen schon mal an“, lautet die stolze Kernbotschaft. Denn Müller hat seine Regierungszeit nicht ungenutzt verstreichen lassen, sondern den Zaubertrank gebraut, der Deutschland wieder Kraft geben soll. Der Reformenmix à la Müller: tausend Verordnungen gestrichen, nur 12 Jahre bis zum Abi, Biotech gefördert statt der Steinkohle, beim Wachstum über dem Schnitt der Länder. „Wir müssen den Stillstand überwinden“, sagt Müller. Und hat am Donnerstag demonstrativ die Ärmel hochgekrempelt, wie die Leute auf den Kampagne-Plakaten. Das Saarland als Erneuerungsland rüberbringen, das ist das Ziel der Agentur, die schon den Schwaben und Badenern geholfen hat mit dem schönen Spruch „Wir können alles außer Hochdeutsch“. An der Saar gibt’s solche Ausnahmen nicht. Dort werden die Kleinen schließlich schon im Kindergarten trilingual getrimmt: Dialekt, Französisch und die Hochsprache. Ja, die Saarländer.

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