Politik : Reformvorstoß: Plant Nordkorea Öffnung zur Marktwirtschaft?

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il plant zum Abschluss seines einwöchigen China-Besuches am Wochenende einen Vorstoß in Richtung wirtschaftlicher Reformen. Diplomatische Kreise in Peking berichteten am Freitag, in der Erklärung werde Kim Jong Il die Erfolge in China mit der Umstrukturierung zu einer "sozialistischen Marktwirtschaft" besonders hervorheben.

Kim Jong Il werde ein Signal geben, das über die Neujahrsbotschaft hinausgehe, die erstmals dazu aufforderte, "neue Konzepte" anzunehmen. Auch werde er deutlich weiter gehen als zum Abschluss seines Besuches in China im Mai, als er nur auf die chinesischen Erfolge in der "sozialistischen Modernisierung" hinwies.

Mit dem China-Besuch und seinem Vorstoß wolle Kim Jong Il auch die Mitglieder seines Regimes und seine Bevölkerung "überzeugen", ähnliche wirtschaftliche Reformideen wie in China zu akzeptieren, sagte ein Diplomat. Auffällig sei auch gewesen, dass ihn keine hohen Militärs in Schanghai begleitet hätten. Nicht einmal der Militärattaché der nordkoreanischen Botschaft in Peking sei angereist.

So hätten allein die Wirtschaftsreformen im Mittelpunkt des Besuches in der Hafenmetropole gestanden, wo Kim Jong Il die Aktienbörse, Hi-Tech-Unternehmen und eine amerikanisch-chinesische Autofabrik besichtigte. Am heutigen Samstag werde Kim Jong Il zu einem Treffen mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Jiang Zemin in Peking erwartet, bevor er seinen China-Besuch am Sonntag beende, verlautete aus einer Quelle.

Doch berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap, Jiang Zemin habe den nordkoreanischen Führer schon am Donnerstag in Schanghai getroffen, um ihm Zeit für Erklärungen über seine Absichten zu Reform und Öffnung zu geben. Eine Quelle in Peking nannte das aber "lediglich ein Gerücht" und "unmöglich".

Auch die südkoreanische Zeitung "Hankook Ilbo" berichtete, Kim Jong Il werde zum Abschluss seines Besuches in China am Sonntag breite Reformen und eine Öffnung seines Landes ankündigen. Doch dämpften diplomatische Kreise zu große Hoffnungen, da das nordkoreanische System nicht einräumen könne, dass die bisherige Politik ein Fehler gewesen sei, und deswegen nur langsam vorgehe. Kim Jong Il wird voraussichtlich am Sonntag mit seinem Sonderzug über den Grenzübergang Dandong nach Nordkorea zurückkehren.

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