Politik : Regenbogen über Kenia

Oppositionsführer Kibaki liegt bei der Auszählung der Stimmen vorn. Der künftige Präsident will vor allem die Korruption bekämpfen

Christoph Link[Nairobi]

Im ostafrikanischen Kenia zeichnet sich ein Ende der 39-jährigen Herrschaft der früheren Einheitspartei „Kanu“ ab. Nach den Auszählungen von Teilergebnissen liegt Oppositionskandidat Mwai Kibaki mit Stimmenanteilen um 70 Prozent weit vorne im Rennen um das Präsidentenamt. Kibaki will das sechstkorrupteste Land der Welt reformieren.

Für viele ist diese Wende total – etwa für die Umweltaktivistin Wangari Maathai. Früher wurde sie belächelt und beschimpft, musste vor der Polizei bei Anti-Baumfällaktionen um ihr Leben rennen. Jetzt liegen ihr auf dem Parkplatz eines Hotels in Nairobi die Genossen von der „Regenbogen"-Allianz in den Armen und feiern ihre geglückte Wahl zur Abgeordneten der Nationalversammlung von Kenia. Maathai ist plötzlich „honourable".

In Kenia ist die Uhr der alten Regierungspartei „Kenya African National Union“ abgelaufen, es ist die Stunde der Widerständler und Demokraten. Zwar war am Samstagnachmittag erst ein Viertel der Stimmen ausgezählt, dennoch sprechen viele Beobachter schon von einem nahen Erdrutschsieg der Opposition. Mit Erleichterung reagierten die Menschen auf den deutlichen Führungsabstand der „Regenbogen“-Allianz mit ihrem Präsidentschaftskandidaten Kibaki, der laut Prognosen rund 72 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Sein wichtigster Gegenkandidat Uhuru Kenyatta konnte zwar einen Parlamentssitz erringen, liegt bei der Präsidentenkür jedoch nur bei 26 Prozent – weit abgeschlagen hinter Kibaki. Offizielle Ergebnisse werden erst an diesem Sonntag oder Montag erwartet. Ein hoher Sieg würde den Machtwechsel nach 39 Jahren Kanu-Regentschaft und 24 Jahren unter Präsident Daniel Arap Moi erleichtern. Selbst Kenias Staatsfernsehen – ein willfähriges Instrument von Moi – musste die auffällige Abwahl von fünf wichtigen Kanu-Ministern in ihren Wahlbezirken vermelden.

Die 30 Millionen Kenianer waren der Kanu-Regentschaft überdrüssig, die das potenziell reiche und landschaftlich überaus schöne Land ruiniert hat. Kenia ist unter Moi zum sechstkorruptesten Staat der Erde geworden, die Einschulungsraten sind gesunken, die Zahl der Armen hat zugenommen. Die Hoffnungen gelten jetzt dem 71-jährigen Kibaki – dessen Alter für die meisten Kenianer kein Thema ist. Kibaki ist ein reicher Farmer und der erste Kenianer, der mit einem Professorentitel für Wirtschaft vom Studium aus England heimkam. Der verschmitzt lächelnde Senior von der mächtigen Ethnie der Gikuyu hatte schon unter Staatsgründer Jomo Kenyatta als Handelsminister gedient und war später unter Moi Finanzminister und zehn Jahre lang Vizepräsident. Nach dem Bruch mit Moi gründete Kibaki seine eigene Demokratische Partei und versuchte zweimal vergeblich die Wahl zum Präsidentenamt. Diesmal hatte Kibaki den Rückhalt von einem Dutzend Oppositionsgruppen.

Dem Land will der dreifache Großvater eine strenge Diät verordnen. Staatsbetriebe sollen privatisiert werden, die Korruption soll „null Toleranz“ erfahren, und Grundschulen sollen kostenfrei werden, damit Familien aus der Armut geholfen wird. Internationale Kreditgeber, die dem korrupten Moi-Regime seit 1997 den Rücken kehrten, sollen zurückgewonnen werden.

Zumindest bei westlichen Diplomaten hat die Regenbogen-Allianz noch viel Kredit. Am Samstag zeigten sich viele Beobachter begeistert über die gut organisierten, fairen und friedlichen Wahlen, die die Schreckenswahlen von 1992 und 1997 – als Hunderte bei Unruhen starben – vergessen machen.

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