Regensburg : Nach Holocaust-Leugnung: Bischof bekommt Hausverbot

Konsequent: Nach der Leugnung des Holocaust durch den umstrittenen Bischof Williamson hat der Regensburger Bischof Müller seinem britischen Amtsbruder Hausverbot erteilt. Jerusalem fror unterdessen die Beziehungen zum Vatikan ein.

Williamson
Bischof Richard Williamson -Foto: dpa

RegensburgGerhard Ludwig Müller habe am Dienstag bei einer Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag die Äußerungen Williamsons als "menschenverachtend" bezeichnet, teilte die Diözese am Mittwoch mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Müller warf dem 67-Jährigen auch "Gotteslästerung" vor. Williamson stehe damit außerhalb der katholischen Kirche.

Das von Bischof Müller ausgesprochene Hausverbot erstreckt sich auf alle Kirchen und Gebäude der ostbayerischen Diözese. Es hat allerdings mehr symbolischen Charakter, da das Zentrum in Zaitzkofen bei Regensburg, wo Williamson in einem Interview die Existenz von Gaskammern in der NS-Zeit abgestritten hatte, nicht Müllers bischöflichem Ordinariat untersteht.

Papst machte Exkommunikation rückgängig

Gegen Williamson, der zu der erzkonservativen Bruderschaft Pius X. gehört, ermittelt die Regensburger Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung, weil er in einem Fernsehinterview die Ermordung der sechs Millionen Juden in den Nazi-Gaskammern bestritten hat. Vor wenigen Tagen hatte Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation von Williamson und drei anderen Bischöfen der Piusbruderschaft rückgängig gemacht. Insbesondere von jüdischen Organisationen wurde dies scharf kritisiert. Vor Müller hatten sich auch die Deutsche Bischofskonferenz und der Münchner Erzbischof Reinhard Marx von Williamson distanziert.

Der frühere Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU) forderte den Papst auf, sich zu Williamson zu äußern. "Es ist auf jeden Fall Gefahr in Verzug", sagte Maier dem Bayerischen Rundfunk. Die Affäre um die Piusbruderschaft könne zu massiven Turbulenzen in der Kirche führen, das Verhältnis der Katholiken zum Judentum sei gefährdet.

Jerusalem zieht ebenfalls Konsequenzen

Der Vatikan hat die Exkommunikation der vier Bischöfe aufgehoben, um nach einem jahrzehntelangen Streit die Bruderschaft wieder in die Kirche zurückzuführen. Rom hat Kritik an dieser Entscheidung zurückgewiesen. Über die Äußerungen von Williamson müsse auf einer anderen Ebene gerichtet werden, sagte ein Vatikansprecher. Auch das israelische Ober-Rabbinat zog Konsequenzen und setzt wegen der Rehabilitierung des den Holocaust leugnenden Bischofs Williamson durch Papst Benedikt XVI. die offiziellen Beziehungen zum Vatikan aus. Das Einfrieren der Kontakte sei "unbefristet", berichtete die "Jerusalem Post" am Mittwoch. "Ohne eine öffentliche Entschuldigung und eine Rücknahme dieser Maßnahme wird es schwierig sein, den Dialog fortzusetzen", zitierte das Blatt aus einem Brief des Generaldirektors des Gremiums, Oded Weiner, an den Vatikan. Das Ober-Rabbinat sagte außerdem seine Teilnahme an einer Anfang März geplanten christlich-jüdischen Dialogrunde im Vatikan ab. (sba/dpa)

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