Regensburger Rede : Katholische Theologen kritisieren den Papst

Die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zum Islam entfachen eine Protestwelle unter Moslems überall auf der Welt. Kritik kommt auch von katholischer Seite.

Berlin - Kaum haben sich Wogen des Karikaturenstreits geglättet, entfachen nun die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zum Islam eine Protestwelle unter Moslems überall auf der Welt. Kritik am Oberhaupt der katholischen Kirche, das islamkritische Äußerungen aus einem mittelalterlichen Streitgespräch zitiert hatte, kommt aber auch von katholischer Seite. "Sehr problematisch" nennt der katholische Theologieprofessor und Islamexperte Hans Zirker die Regensburger Rede des Papstes. Dieser könne nicht einfach ein solches Zitat wiedergeben, "als wenn das ein unschuldiger Satz wäre". Der Papst hätte seine Aussagen differenzieren müssen, meint Zirker. Klarstellungen mahnen auch andere Theologen und im christlich-islamischen Dialog engagierte Moslems an.

Am Dienstagabend hatte der Papst in einem Vortrag an der Universität Regensburg den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos angeführt, der mit einem persischen Theologen diskutierte. "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten", hielt der christliche Kaiser demnach seinem moslemischen Gesprächspartner vor. Im Weiteren kam Benedikt XVI. auch auf die "Bestimmungen über den heiligen Krieg" zu sprechen, die im Koran niedergelegt seien und warf indirekt die Frage auf, ob islamischer Glaube und Vernunft vereinbar seien.

Warum der Papst sich in dieser Weise über den Islam geäußert hat, bleibt für Zirker rätselhaft. Die Rede - auch wenn sie anderes gemeint sei, als sie viele Moslems verstanden hätten - passe nicht zum sonstigen Werben von Benedikt XVI. für Verständigung zwischen den Kulturen und Religionen. Dass Mohammed vorgeschrieben habe, den Islam durch Feuer und Schwert zu verbreiten, sei, "ein christliches Klischee", sagt der ehemalige Theologieprofessor der Universität Essen. "Das triff die weitaus differenziertere Realität des Islam nicht".

"Eine Lesart, die das Christentum auf die Seite der Vernunft stellt und den Islam außerhalb lässt, wäre nicht ehrlich", sagt auch Pater Christophe Roucou, der dem katholischen Sekretariat für Islam-Beziehungen in Frankreich angehört. Das sei aber auch nicht das Ziel der Papst-Rede gewesen, betont Roucou in der französischen Zeitung "La Croix" (Freitagausgabe). Benedikt XVI. sei es vielmehr um eine Überlegung über das Thema Glauben und Vernunft gegangen.

So sieht das auch der katholische Theologe und Islamexperte Adel Theodor Khoury, auf den sich der Papst für sein Zitat berief. Der Papst habe sich die Ansicht des byzantinischen Kaisers aber nicht zu eigen gemacht. "Er muss nicht ständig bei jedem Wort sagen, das ist nicht meine Meinung", nimmt Khoury den Papst in Schutz. Er merkt jedoch zugleich an: "Ich hätte mir ein paar Worte der Differenzierung gewünscht". (Von Andreas Gorzewski, AFP)

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