Regensburger Rede : Muslime fordern Entschuldigung

Die umstrittenen Äußerungen des Papstes zum Islam sorgen weiter für heftige Reaktionen. Muslime in der ganzen Welt melden sich zu Wort und verlangen vom Vatikan eine Entschuldigung.

Berlin/Rom - Die Türkische Gemeinde in Deutschland nannte es "sehr gefährlich", sich derart "missverständlich" auszudrücken. Der Papst habe die Gefühle von Muslimen verletzt. Notwendig sei eine deutliche Klarstellung, mahnte der Gemeindevorsitzende Kenan Kolat. Die CSU verteidigte den Papst.

Der Vatikan bemühte sich um eine Glättung der Wogen. Sein Sprecher Federico Lombardi versicherte: "Es war sicher nicht die Absicht des Heiligen Vaters, den Djihad und das islamische Denken darüber zu analysieren - und erst recht nicht, die Sensibilität islamischer Gläubiger zu verletzen." Im Gegenteil tauche in den Ansprachen des Heiligen Vaters deutlich die Mahnung an die westliche Kultur auf, "die Missachtung Gottes und den Zynismus, der es für ein Freiheitsrecht hält, das Heilige herabzuwürdigen", zu vermeiden.

"Das Verbindende suchen"

Zuvor war sowohl in türkischen Zeitungen als auch bei muslimischen Verbänden Unmut über den Vortrag des Papstes vom Dienstag in der Regensburger Universität laut geworden. Darin zitierte Benedikt XVI. den byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologus (1350-1425) zum Thema "heiliger Krieg" unter anderem mit dem Satz: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat - und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten."

Der Vatikan-Sprecher betonte, was dem Papst am Herzen liege, sei eine klare und radikale Zurückweisung einer religiösen Motivation von Gewalt. Dies ergebe sich auch "aus einer aufmerksamen Lektüre des Textes". Kolat sagte dagegen: "Auch wir kämpfen gegen jeglichen Extremismus im islamischen Bereich. Es macht unsere Arbeit schwieriger, wenn der Papst gewollt oder ungewollt einen Frontalangriff sozusagen gegen den Islam startet."

"Das Verbindende suchen"

Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde empfahl dem Oberhaupt der katholischen Kirche, sich mit Vertretern der Muslime oder der muslimischen Staaten zu treffen. Auch der geplante Türkei-Besuch des Papstes sei eine gute Gelegenheit, dieses Thema anzusprechen. Kolat betonte: "Ich denke, die Zeiten der Religionskriege sind vorbei. Und alle Seiten - sowohl der Islam als auch das Christentum und andere Religionen - sollten jetzt eher das Verbindende als das Trennende suchen."

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hartmut Koschyk, verteidigte die Äußerungen des Papstes. Der Papst habe in seiner Rede ausschließlich "den theologisch-intellektuellen Austausch" thematisiert, sagte Koschyk. Ebenso wie die katholische Kirche müsse sich auch die islamische Welt mit "Auslegungsvarianten befassen, die der Anwendung von Gewalt Vorschub leisten und zu Fanatismus, Hass und Intoleranz gegenüber Juden und Christen aufrufen." (tso/ddp)

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